Was zum Kraichgau-Wein gehört
Wer im Kraichgau ein Glas Wein bestellt, bekommt badischen oder württembergischen Wein, oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Der Kraichgau ist ein Bereich des Anbaugebiets Baden, der Heuchelberg und der Rand des Strombergs im Osten gehören weinrechtlich zu Württemberg. Die Grenze folgt den Gemarkungen, nicht der Landschaft: Eppingen hat badische Lagen und dazu die württembergischen von Kleingartach und Richen, Oberderdingen Lagen auf beiden Seiten. Warum Heuchelberg und Stromberg auch landschaftlich nicht mehr zum Kraichgau zählen, erklärt die Antwort Gehört der Stromberg zum Kraichgau?
Der badische Bereich Kraichgau umfasste Ende Juli 2024 rund 1.174 Hektar Reben, 706 Hektar mit weißen und 468 mit roten Sorten, knapp acht Prozent der Rebfläche Badens. Er reicht über das Gebiet dieser Seite hinaus bis zu Rebflächen am Neckar in Mosbach, Eberbach, Binau und Haßmersheim und bis Karlsruhe. Umgekehrt gehören Wiesloch und Nußloch zum Bereich Badische Bergstraße.
In den 61 Städten und Gemeinden unseres Gebiets stehen rund 1.940 Hektar Reben: knapp 1.160 Hektar in badischen Gemeinden, knapp 590 in württembergischen und gut 200 in Eppingen und Oberderdingen. Nennenswert Wein, 20 Hektar und mehr, wächst in 22 Gemeinden. Die meisten Reben hat Schwaigern am Heuchelberg mit 252 Hektar, auf der badischen Seite Östringen mit 149 Hektar, vor allem im Katzbachtal. Im Norden und Nordosten des Gebiets dagegen, um Waibstadt, Neckarbischofsheim oder Meckesheim, gibt es keine Rebflächen.
Rebsorten: Burgunder, Riesling und Lemberger
Auf der badischen Seite prägen Burgundersorten das Bild. Im Bereich Kraichgau stand 2024 am meisten Spätburgunder, 241 Hektar, dazu Grauburgunder mit 185, Weißburgunder mit 161, Riesling mit 150 und Müller-Thurgau mit 87 Hektar. Eine Besonderheit ist der Auxerrois, eine seltene weiße Sorte, die in Baden vor allem im Kraichgau und am Bodensee wächst.
Württembergisch geprägt sind Trollinger, Lemberger und Schwarzriesling. In Schwaigern sind Trollinger, Riesling, Lemberger und Schwarzriesling die Hauptsorten, beim Weingut Graf Neipperg steht auf einem Drittel der Fläche Lemberger. Scharf ist die Grenze im Glas trotzdem nicht. Selbst im badischen Bereich Kraichgau wachsen 64 Hektar Lemberger und 66 Hektar Schwarzriesling. Das Weingut Burg Ravensburg in Sulzfeld hat ein Viertel seiner Fläche mit Lemberger bepflanzt, Kürnbach gilt als Schwarzrieslingdorf, und in Malschenberg erinnert das Portugieserfest an den Blauen Portugieser, der dort früher in fast allen Lagen stand.
In Zahlen: In den badischen Gemeinden des Gebiets sind rund 40 Prozent der Reben rote Sorten, in den württembergischen knapp zwei Drittel. Unter den badischen Gemeinden überwiegen die roten Sorten in Kürnbach und Sulzfeld an der Grenze zu Württemberg sowie in Keltern. Wie viel Rotwein die Gemeinden ab 40 Hektar anbauen, zeigt die Tabelle oben; in Keltern sind es 23 von 38 Hektar.
Böden: Löss, Keuper und Muschelkalk
Fast der ganze Kraichgau liegt unter einer Decke aus eiszeitlichem Löss, verbreitet gut 20 Meter dick. Darunter liegt oft Gipskeuper, stellenweise auch Muschelkalk. Weinbau prägt vor allem die Hanglagen im westlichen Kraichgau. Im Bereich Kraichgau stehen die Reben auf Böden aus Muschelkalk, Keuper und Buntsandstein, häufig mit einer Lössauflage.
Am Heuchelberg und in der Eppinger Hardt bildet Schilfsandstein den Deckel der Höhen, die Reben stehen auf den flacheren Hängen des Gipskeupers darunter. Unterhalb des Derdinger Horns bei Oberderdingen legt ein geologisches Fenster den oberen Gipskeuper mit dem Übergang zum Schilfsandstein frei. Im Stromberg liegen über den bunten Mergeln noch Schichten aus Stubensandstein.
Wie verschieden die Böden schon zwischen Nachbarorten sind, zeigen die Weingüter. Bei Klumpp in Bruchsal stehen die Reben auf Muschelkalk, Gipskeuper, Löss und Tonmergel, bei Burg Ravensburg am Burgberg auf Gipskeuper und tonigen Lössböden. Heitlinger in Tiefenbach hat bunte Mergel, Stubensandstein, Kalkmergel und Löss, Graf Neipperg Keuper, Schilfsandstein und Löss über Muschelkalk. In Leingarten stehen die Reben an Südhängen des Heuchelbergs mit 20 bis 50 Prozent Neigung.
Wer hier Wein macht
Wie in ganz Baden spielt die gemeinschaftliche Verarbeitung der Trauben in Genossenschaften eine große Rolle. Winzer von Baden in Wiesloch vereint rund 900 Winzerinnen und Winzer mit etwa 590 Hektar in fünf Ortsgenossenschaften, zu denen Tiefenbach, Heidelsheim und Zeutern gehören. In Sulzfeld hat die Winzergenossenschaft 325 Mitglieder. Auf württembergischer Seite bauen die Weingärtner aus Oberderdingen und Knittlingen ihren Wein gemeinsam unter der Marke Amthof 12 aus, in Leingarten läuft der Wein zum größten Teil über die Heuchelberg Weingärtner in Schwaigern.
Daneben arbeiten Familienweingüter jeder Größe. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) führt im Gebiet drei Mitglieder: Heitlinger und Burg Ravensburg, die heute gemeinsam geführt werden und in Östringen-Tiefenbach verkaufen, sowie Graf Neipperg in Schwaigern. Bei der Gründung des badischen Regionalverbands 1986 in Angelbachtal-Michelfeld waren Burg Ravensburg und das Weingut Albert Heitlinger dabei.
Mehrere Betriebe arbeiten ökologisch, etwa Heitlinger und Burg Ravensburg, Klumpp in Bruchsal als Mitglied bei Ecovin, Nägele in Angelbachtal nach Demeter-Richtlinien und der Gutshof Menges in Rauenberg. Viele kleinere Weingüter verkaufen ab Hof oder schenken ihren Wein zeitweise selbst aus; wann und wo, steht unter Besenwirtschaften im Kraichgau.
Probieren und kaufen: So planst du den Besuch
Die meisten Vinotheken im Gebiet öffnen werktags, am Samstag oft nur vormittags. Für einen Ausflug am Sonntag passt die Vinothek von Heitlinger und Burg Ravensburg in Tiefenbach, die dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr öffnet. Kleinere Weingüter wie GravinO in Kürnbach oder Nägele in Angelbachtal haben nur an wenigen festen Stunden in der Woche offen und vereinbaren gern Termine.
Moderierte Weinproben, Keller- und Weinbergführungen gibt es fast überall nur mit Anmeldung, für Gruppen oft erst ab einer Mindestzahl: bei Winzer von Baden ab 15 Personen, bei der Weinbergwanderung von Heitlinger ab 12. Ohne Anmeldung probieren lässt es sich meist am Verkaufstresen; bei Amthof 12 in Oberderdingen stehen alle Weine zur Verkostung bereit.
- Wer mehrere Weine probieren möchte, lässt das Auto besser stehen; Beispiele mit Bahn stehen in den Fragen unten.
- Weingüter machen Betriebsferien, der Gutshof Menges zum Beispiel vom 22. Oktober bis 1. November 2026.
- Größere Mengen kannst du bei vielen Betrieben auch online bestellen und liefern lassen.
Prüfe Öffnungszeiten und Ruhetage kurz vor dem Besuch beim Betrieb (Stand aller Zeiten auf dieser Seite: 28.09.2026).
Wein erleben: Wege, Ausschank und Museen
Am Derdinger Horn bei Oberderdingen führt seit April 2026 ein Weinwanderweg mit 15 Tafeln durch die Reben, zu Rebsorten, Rebschnitt, Lese und Weinbau früher: 7 Kilometer mit 235 Höhenmetern ab dem Wanderparkplatz Derdinger Horn, als kurze Runde 5,4 Kilometer. Durch die Weinberge von Wiesloch, Rauenberg und Malschenberg zieht der Weinwanderweg Mannaberg des Odenwaldklubs, ein Rundweg von gut 20 Kilometern. Am Mannaberg werden ab Oktober 2026 in einer Rebflurbereinigung neue Wege gebaut; Wege, die noch nicht fertig sind, dürfen während der Arbeiten nicht benutzt werden. Rund um Sulzfeld verbindet die Ravensburg-Tour SU1 auf 15,7 Kilometern den Bahnhof mit Weinbergen und Burg. In den Gewannen Gänsberg und Tobel hat die Gemeinde Vesperplätze mit Tischen und Bänken zwischen die Reben gestellt, jeder mit einem Sulzfelder Weingut als Paten.
Ausschank mitten in den Reben gibt es von Mai bis September am Heuchelberg. Der Verein Wein am Berg schenkt sonn- und feiertags am Lobenberg bei Stetten die Weine der neun Schwaigerner Weingüter aus, rund 750 Meter vom Parkplatz Stetten-Brackenheim, und hinter der Kellerei der Heuchelberg Weingärtner öffnet sonntags der WeinbergStrand. Beides hängt vom Wetter ab.
Zwei kleine Museen erzählen vom Alltag der Weinbauern. Das Winzermuseum im Schloss Rauenberg öffnet am ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr, außer an Feiertagen, bei freiem Eintritt; Führungen gibt es nach Vereinbarung. Die Weinbaustube im Rathaus von Kleingartach, einem Stadtteil von Eppingen, zeigt Rebmesser, Butten und Misttragen aus Korbgeflecht und erklärt das Kelterwesen, Böden und Rebsorten der Gegend. Sie hat ganzjährig donnerstags von 13.30 bis 16.30 Uhr offen, der Eintritt ist frei.
Mit dem Rad durch die Weinorte
Der Badische Weinradweg führt auf rund 460 Kilometern von Grenzach bei Basel bis Laudenbach an der Bergstraße und ist in beiden Richtungen beschildert. Zwei seiner acht Etappen liegen im Kraichgau. Etappe 6 kommt auf 67 Kilometern von Ettlingen über den Turmberg in Karlsruhe-Durlach und Bruchsal nach Oberderdingen. Etappe 7 führt auf 66 Kilometern von Oberderdingen durch Kürnbach, Tiefenbach, Zeutern und Rauenberg nach Wiesloch; unterwegs lohnen Stopps an der Burg Ravensburg, im Römermuseum in Stettfeld und im Winzermuseum in Rauenberg. Wegen der Höhenmeter hilft ein E-Bike.
Auf württembergischer Seite verläuft der Württemberger Weinradweg auf 396 Kilometern von Niederstetten im Taubertal bis Rottenburg am Neckar. Seine Etappe von Heilbronn nach Lauffen folgt dem Heuchelberg durch das Leintal, mit Abstecher zur Heuchelberger Warte bei Leingarten. Ab Schwaigern verbindet eine rund 20 Kilometer lange Strecke die beiden Weinradwege. Ältere Karten und manche Gemeindeseiten nennen hier noch den Kraichgau-Hohenlohe-Radweg, den der Württemberger Weinradweg 2022 ersetzt hat. Weitere Touren sammelt Radfahren im Kraichgau.
