
Über dieses Ziel
Ein Bergfried aus der Stauferzeit, ein tiefer Burggraben und Reben ringsum: Die Burg über Sulzfeld im Kraichgau hat seit Juli 2026 wieder einen Biergarten und passt ans Ende einer Wanderung.
Was dich auf der Burg erwartet
Die Ravensburg steht auf einer Kuppe rund 1,3 Kilometer östlich der Ortsmitte von Sulzfeld, auf 286 Metern und gut 80 Meter über dem Tal des Kohlbachs. Ringsum wachsen fast nur Reben, deshalb ist der quadratische Bergfried weithin zu sehen. Gemeint ist hier die Burg im Landkreis Karlsruhe. Die Burg über der Stadt Ravensburg in Oberschwaben heißt heute Veitsburg und liegt rund 160 Kilometer Luftlinie weiter südlich.
Die Ravensburg ist der Stammsitz der Göler von Ravensburg, einer Familie der Kraichgauer Ritterschaft, und gehört ihr bis heute. Ältester Teil ist der rund 30 Meter hohe Bergfried aus Buckelquadern. Er entstand um 1220 unter Ravan von Wimpfen, einem Dienstmann der Staufer. Eine Familienchronik aus dem 17. Jahrhundert verlegt die Gründung ins Jahr 930 und nennt einen Ritter Rabanus als Bauherrn; die Forschung hält das für eine Legende. Im Schmalkaldischen Krieg belagerten kaiserliche Truppen die Burg ab dem 24. Dezember 1546, nahmen sie nach wenigen Tagen ein und plünderten sie. Danach bauten die Göler sie zur Festung mit Geschütztürmen aus, um 1600 kamen ein großer Wohnbau und zwei Weinkeller dazu. Nach dem Tod des letzten Bewohners 1849 diente die Anlage als Steinbruch. Seit den 1950er-Jahren wird gesichert, was übrig blieb.
Durch den Torbogen im Osten kommst du in die Vorburg, einen großen Kiesplatz zwischen Wirtschaftsgebäuden und Mauerresten, der als Parkplatz und für Feste dient. Eine steinerne Brücke mit zwei Bögen führt über den rund zehn Meter breiten Graben in die Kernburg. Dort steht der Bergfried heute frei im Hof. Die Wohnbauten, die ihn einst auf drei Seiten umschlossen, sind verschwunden, nur ihre Giebelansätze am Turm und die Keller sind geblieben. Vom Palas, 1607 vollendet, steht noch ein Geschoss über einem tonnengewölbten Keller von fast 24 Metern Länge. Über dem Portal zeigt ein Allianzwappen die Göler und die Familie von Mentzingen, innerhalb der Ringmauer verläuft ein überwölbter Wehrgang.
Die Hänge unter der Burg sind Weinberge des Weinguts Burg Ravensburg. Drei davon, Husarenkappe, Löchle und Dicker Franz, führt der Verband Deutscher Prädikatsweingüter als Große Lagen. Ihre Namen erzählen Familiengeschichte: Der Dicke Franz erinnert an Franz Göler von Ravensburg (1701 bis 1765), den „dicken Herrn“, die Husarenkappe an den badischen Husarenmajor Benjamin Göler, der der Legende nach Rieslingreben in seiner Mütze nach Sulzfeld brachte. Das Löchle ist eine windgeschützte Mulde im Südhang. Das Weingut gehört inzwischen nicht mehr der Familie Göler, sondern wird zusammen mit dem Weingut Heitlinger in Östringen-Tiefenbach geführt.
Zugang, Biergarten und Bergfried
Die Ravensburg ist kein Museum mit Eintrittskarte. Sie ist Privatbesitz und an einen Gastronomiebetrieb verpachtet, zugänglich ist sie vor allem als Gast. Nach einem Pächterwechsel hat die Burg am 4. Juli 2026 wieder geöffnet, zunächst mit einem Biergarten; bei schlechtem Wetter sitzt du im Restaurant und wirst am Tisch bedient. Geöffnet ist mittwochs und donnerstags von 16 bis 22 Uhr, freitags von 16 bis 23 Uhr, samstags von 15 bis 23 Uhr und sonntags von 11 bis 22 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage (Stand 25.09.2026). Für den Biergarten brauchst du keine Reservierung, Gruppen ab 20 Personen melden sich per E-Mail an. Außerhalb der Öffnungszeiten kann das Tor geschlossen sein. Prüfe die Zeiten deshalb vor der Fahrt beim Burgrestaurant, auch die für den Winter.
Der Bergfried ist aus Sicherheitsgründen gesperrt (Stand 2022). 2021 hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz eine Voruntersuchung für seine Sanierung mit 20.000 Euro gefördert. Ob du den Turm wieder besteigen kannst, erfährst du beim Burgrestaurant. Die Aussicht gibt es trotzdem. Vom Burggarten reicht der Blick über die Hügel des Kraichgaus, bei klarer Sicht bis zu Pfälzerwald, Schwarzwald und Vogesen.
Öffentliche Burgführungen sind derzeit nicht angekündigt. Wer mehr über Burg und Weinbau erfahren will, bucht die Weinerlebnisführung „Rund um die Burg“ bei Weindorfkind in Sulzfeld: rund fünf Kilometer durch Weinberge und Streuobstwiesen in vier bis fünf Stunden, mit vier Weinproben und Winzervesper.
Für Hochzeiten und Feiern vermietet der Pächter Rittersaal und Palas. In einem der historischen Gewölbekeller ist seit 2006 eine Traukapelle eingerichtet. Rittermahle mit Künstlern im Kostüm gibt es für Gesellschaften ab 60 Personen.
Wein kaufen und probieren
Flaschen des Weinguts Burg Ravensburg kaufst du nicht in Sulzfeld. Verkauf und Probe laufen ausschließlich über die gemeinsame Vinothek mit dem Weingut Heitlinger, Am Mühlberg 3 in Östringen-Tiefenbach, rund 19 Kilometer oder gut 20 Minuten mit dem Auto von der Burg. Sie hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet (Stand 25.09.2026). Mehr zum Stadtteil steht auf der Seite zu Östringen.
In Sulzfeld selbst zeigt die Vinothek im Bürgerbahnhof, Bahnhofstraße 2, Weine von sieben Sulzfelder Weinbaubetrieben und einer Brennerei. Sie liegt direkt an der S-Bahn und öffnet nach Absprache unter 07269 911130, für Gruppen gibt es Weinproben mit Voranmeldung. Einen Überblick über Lagen, Rebsorten und Betriebe der Region gibt Wein im Kraichgau.
Lage und Anreise
Mit dem Auto erreichst du die Burg über die Mühlbacher Straße, die als K 3510 von Sulzfeld nach Eppingen-Mühlbach führt. Nach dem Ortsende von Sulzfeld zweigt rechts die Zufahrt zum Burgberg ab, aus Richtung Mühlbach links. Aus Bretten und Karlsruhe kommst du über die B 293 und durch Sulzfeld, knapp 20 Kilometer ab dem Brettener Marktplatz. Vom Bahnhof Eppingen sind es über Mühlbach rund sieben Kilometer.
Vor der Burg und weiter unten an der Zufahrt liegen Parkplätze, die auch für größere Fahrzeuge und Busse reichen; von dort gehst du 100 bis 300 Meter bis zum Burgtor. In die Vorburg dürfen wegen des engen Torbogens nur Autos, Motorräder und Fahrräder.
Ohne Auto fährst du mit der S 4 oder dem RE 45 bis Sulzfeld (Baden). Beide Linien halten dort jeweils einmal pro Stunde, zusammen also zweimal stündlich je Richtung, samstags und sonntags genauso wie werktags. Ab Karlsruhe Hauptbahnhof braucht der RE 45 gut 40 Minuten, die S 4 gut eine Stunde. Ab Heilbronn Hauptbahnhof sind es mit dem RE 45 knapp 30 Minuten, mit der S 4 gut 40 Minuten, ab Eppingen fünf Minuten (Stand Fahrplan 25.09.2026). Vom Bahnhof gehst du gut zwei Kilometer durch den Ort und die Weinberge hinauf, rund 90 Höhenmeter in einer guten halben Stunde. Markiert ist der Weg mit einem roten Kreuz auf weißem Grund.
Die Burg liegt an mehreren markierten Wanderwegen. Die Ravensburg-Tour SU1 ist eine Runde von knapp 16 Kilometern ab dem Bahnhof Sulzfeld, die Burg liegt nach etwa zwei Dritteln der Strecke. Der EP4 der Stadt Eppingen ist eine Streckenwanderung von 12,8 Kilometern vom Bahnhof Eppingen zum Bahnhof Sulzfeld mit der Burg als letztem Höhepunkt. Außerdem endet an der Burg der Sickingenweg des Odenwaldklubs, der in zwei Etappen und 29 Kilometern von Bruchsal herüberführt.
Zeit planen und kombinieren
Für einen Rundgang durch Vorburg und Burggarten mit Blick über das Land reicht eine knappe Stunde, mit Einkehr werden es zwei. Weil der Biergarten unter der Woche erst am Nachmittag öffnet, passt die Burg gut ans Ende einer Wanderung.
Der EP4 verbindet sie mit Zielen in Eppingen: Vom Bahnhof führt er zum Jägersee am Fuß des Ottilienbergs, wo der Eppinger Waldfühlpfad endet, und weiter über Mühlbach mit seinem Badesee zur Ravensburg. Zurück nach Eppingen fährst du vom Bahnhof Sulzfeld in fünf Minuten mit der Bahn. Die Fachwerk-Altstadt von Eppingen liegt mit dem Auto rund sieben Kilometer entfernt.
Die zweite Etappe des Sickingenwegs beginnt am S-Bahn-Halt Flehingen in Oberderdingen und führt in 10,6 Kilometern durch Wald und über Kürnbach und den Lerchenberg zur Burg. So lassen sich Start und Ziel ohne Auto erreichen. Die erste Etappe von Bruchsal kommt durch Gochsheim, einen Stadtteil von Kraichtal. In Kraichtal liegt auch Menzingen, nach dem sich die Herren von Mentzingen nannten. Sie führen wie die Göler einen schwarzen Raben im Wappen; ihr Wappen steht neben dem der Göler über dem Portal des Palas.
In den Weinbergen der Gewanne Gänsberg und Tobel hat die Gemeinde Sulzfeld Vesperplätze aus Steinen des alten Rathauses und Selfie-Punkte mit Blick auf die Burg eingerichtet, jeder Platz ist einem Sulzfelder Weingut gewidmet. Von der Burg sind es jeweils knapp zwei Kilometer Fußweg. Wer an einem Tag zwei Burgen sehen will, fährt in gut 20 Minuten zur Burg Steinsberg bei Sinsheim, deren Bergfried tagsüber frei zugänglich ist. Weitere Burgen und Schlösser der Region stellt der Überblick Burgen und Schlösser im Kraichgau vor.
Stand: 25. September 2026
Häufige Fragen
Kann man die Burg Ravensburg in Sulzfeld besichtigen?
Ja, als Gast des Biergartens. Die Burg ist Privatbesitz und an einen Gastronomiebetrieb verpachtet; einen Museumsbetrieb mit Eintrittskarten gibt es nicht. Geöffnet ist mittwochs und donnerstags von 16 bis 22 Uhr, freitags von 16 bis 23 Uhr, samstags von 15 bis 23 Uhr und sonntags von 11 bis 22 Uhr (Stand 25.09.2026). Außerhalb dieser Zeiten kann das Tor geschlossen sein.
Kann man den Bergfried der Burg Ravensburg besteigen?
Der rund 30 Meter hohe Bergfried ist aus Sicherheitsgründen gesperrt (Stand 2022), eine Voruntersuchung für seine Sanierung wurde 2021 gefördert. Ob du den Turm wieder besteigen kannst, erfährst du vor dem Besuch beim Burgrestaurant. Den Blick über den Kraichgau hast du auch vom Burggarten.
Wo parkt man an der Burg Ravensburg?
Die Zufahrt zweigt von der Mühlbacher Straße (K 3510) zwischen Sulzfeld und Eppingen-Mühlbach ab. Vor der Burg und weiter unten an der Zufahrt liegen Parkplätze, auch für größere Fahrzeuge und Busse; von dort sind es 100 bis 300 Meter zu Fuß. In die Vorburg selbst dürfen wegen des engen Torbogens nur Autos, Motorräder und Fahrräder.
Wie kommt man ohne Auto zur Burg Ravensburg?
Mit der S 4 oder dem RE 45 bis Sulzfeld (Baden). Die beiden Linien fahren zusammen zweimal pro Stunde je Richtung, auch samstags und sonntags; ab Karlsruhe Hauptbahnhof dauert die Fahrt mit dem RE 45 gut 40 Minuten, ab Heilbronn knapp 30 Minuten (Stand Fahrplan 25.09.2026). Vom Bahnhof gehst du gut zwei Kilometer und rund 90 Höhenmeter zur Burg, markiert mit einem roten Kreuz.
Kann man auf der Burg Ravensburg Wein vom Weingut kaufen?
Nein. Das Weingut Burg Ravensburg verkauft seine Weine nicht in Sulzfeld, sondern in der Vinothek Am Mühlberg 3 in Östringen-Tiefenbach, dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr (Stand 25.09.2026). In Sulzfeld zeigt die Vinothek im Bürgerbahnhof Weine mehrerer Sulzfelder Betriebe; sie öffnet nach Absprache unter 07269 911130.
Gibt es Führungen auf der Burg Ravensburg?
Öffentliche Burgführungen sind derzeit nicht angekündigt (Stand 25.09.2026). Durch die Weinberge rund um die Burg führt die Weinerlebnisführung „Rund um die Burg“ von Weindorfkind in Sulzfeld: rund fünf Kilometer in vier bis fünf Stunden, mit Sekt zur Begrüßung, vier Weinproben und Winzervesper. Buchen kannst du sie beim Anbieter.
Kann man auf der Burg Ravensburg heiraten?
Ja. In einem der historischen Gewölbekeller ist seit 2006 eine Traukapelle eingerichtet, für die Feier vermietet der Pächter Rittersaal und Palas. Für Gesellschaften ab 60 Personen gibt es Rittermahle mit Künstlern im Kostüm. Termine und Preise vereinbarst du direkt mit dem Burgrestaurant.
Liegt die Burg Ravensburg in der Stadt Ravensburg?
Nein. Die Burg Ravensburg steht über Sulzfeld im Landkreis Karlsruhe, zwischen Bretten und Eppingen. Die Burg über der Stadt Ravensburg in Oberschwaben heißt heute Veitsburg und liegt rund 160 Kilometer Luftlinie weiter südlich. Beide Burgen führen ihre Gründung auf dieselbe Legende um einen Rabanus im Jahr 930 zurück.
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