Wann ist Besenzeit?
Der Herbst ist die Zeit des Neuen Weins, und ab September hängen die ersten Besen wieder draußen: In Rauenberg begann beim Ihle-Besen, einem fast ganzjährig geöffneten Gutsausschank, am 19. September 2026 die Herbst-Besensaison mit Neuem Wein und Zwiebelkuchen, in Malsch öffnet das Weingut Ungerer seit Anfang September an den Wochenenden, in Sulzfeld und Kürnbach folgen die Termine im Oktober. Bis kurz vor Weihnachten öffnen viele Betriebe an einzelnen Wochenenden, im Januar geht es weiter, oft bis in den Mai. Manche haben zusätzlich im Sommer offen, die Besenwirtschaft Czech in Kürnbach etwa im August.
Das ganze Jahr darf eine Straußwirtschaft nicht öffnen: Das Gesetz begrenzt sie auf vier Monate im Jahr in höchstens zwei Zeitabschnitten. Diese Grenze gilt nur für Straußwirtschaften im Sinne des Gesetzes. Wer öfter oder länger öffnet, führt seinen Besen in der Regel als angezeigte Gaststätte und darf ihn trotzdem Besen nennen; welche Form ein Betrieb gewählt hat, ist von außen nicht zu erkennen. Bei den Betrieben im Gebiet sind Blöcke von vier Tagen bis drei Wochen typisch, häufig von Donnerstag bis Sonntag; montags ist oft Ruhetag. Die Termine legt jeder Betrieb selbst fest, und sie wechseln von Jahr zu Jahr. Einen festen Besenkalender für die ganze Region gibt es nicht. Plane ein bestimmtes Wochenende deshalb mit der Website des Betriebs oder dem Besen-Guide und ruf im Zweifel an.
Wer darf einen Besen führen?
Im Gesetz heißt der Besen Straußwirtschaft. In Baden-Württemberg regelt ihn seit dem 1. Januar 2026 § 5 des neuen Landesgaststättengesetzes. Vorher standen die Vorgaben in der Gaststättenverordnung des Landes; inhaltlich sind sie gleich geblieben. Eine Straußwirtschaft führt, wer
- selbst erzeugten Wein oder Apfelwein ausschenkt,
- das am Ort des eigenen Betriebs oder am eigenen Wohnsitz tut, nicht in eigens dafür gemieteten Räumen,
- in den Gasträumen höchstens 40 Sitzplätze hat,
- höchstens vier Monate im Jahr öffnet, in höchstens zwei Zeitabschnitten, wobei sich alle Personen eines Haushalts diese vier Monate teilen,
- nur kalte und einfach zubereitete warme Speisen anbietet.
Wer gewerbsmäßig mit Wein oder Apfelwein handelt, darf nicht zusätzlich eine Straußwirtschaft betreiben, und ein Besen darf nicht mit einer Gaststätte oder einem Beherbergungsbetrieb verbunden sein. Im Gegenzug ordnet das Land den Ausschank als Teil der landwirtschaftlichen Urproduktion ein, also nicht als Gewerbe. Wer einen Besen führt, braucht deshalb keinen Unterrichtungsnachweis der IHK, wie ihn das Gesetz für Gaststätten verlangt.
Mindestens zwei Wochen vor dem ersten Besentag zeigt der Betrieb den Ausschank in Textform bei der Gaststättenbehörde an, mit Zeitraum und mit der Angabe, wo die Trauben gewachsen sind und wo der Wein gekeltert und ausgebaut wurde. Bis Ende 2025 ging diese Anzeige an die Gemeinde.
Besen, Gutsausschank oder Weinstube?
Nicht jede Einkehr mit Besen im Namen ist eine Straußwirtschaft im Sinne des Gesetzes. Manche Weingüter betreiben eine Weinstube oder einen Gutsausschank mit eigenem Wein und Besenküche, aber als angemeldete Gaststätte. Solche Häuser dürfen länger öffnen, mehr Plätze haben und auch Übernachtungen anbieten. Mehrere dieser Häuser haben 80 bis 100 Sitzplätze (Stand 2024). Der Tourismusverband führt Besen und Weinstuben gemeinsam, sein letzter gedruckter Kalender von 2024 hieß „Besenwirtschaften und Weinstuben“.
Für Gäste zeigt sich der Unterschied vor allem an den Öffnungszeiten. Der Ihle-Besen in Rauenberg ist ein Gutsausschank und hat bis auf die Betriebsferien fast das ganze Jahr geöffnet, die Besenstube Büchele in Kürnbach nur an einzelnen Wochenenden. Die Tabelle oben stellt die Regeln für beide Formen nebeneinander.
Badisch oder württembergisch: Wein und Wörter
Quer durch das Gebiet von Kraichgau Regional verläuft die Grenze zwischen den Weinbaugebieten Baden und Württemberg. Die meisten Weinbaugemeinden gehören zum badischen Bereich Kraichgau; Wiesloch und Nußloch zählen schon zum Bereich Badische Bergstraße. Württembergisch sind dagegen die Lagen in einem Teil des Landkreises Heilbronn, etwa am Heuchelberg bei Schwaigern und Leingarten, in Gemmingen und in den Eppinger Stadtteilen Kleingartach und Richen, außerdem am Rand des Strombergs um Knittlingen. Oberderdingen hat Lagen auf beiden Seiten. Die Tabelle oben ordnet die 37 Gemeinden, deren Gemarkungen in den Weinbaugebieten eingetragen sind, nach Landkreis zu. Die Weinbaukartei zählt 38 Gemeinden mit Reben, weil sie auch Kleinstflächen in Birkenfeld und Obrigheim erfasst, für Kämpfelbach aber keine Rebfläche führt.
Beim Wort liegen beide Seiten näher beieinander als beim Wein. In Württemberg heißt die Einkehr beim Wengerter Besen, schwäbisch Besa. In Baden sagt man Strauße oder Straußi, im Norden Badens aber meist ebenfalls Besen. So sprechen auch die badischen Betriebe in Malsch, Sulzfeld und Kürnbach vom Besen, und der Tourismusverband führt Betriebe beider Seiten im selben Besen-Guide. Ausgesteckt wird auf beiden Seiten meist ein Reisigbesen, manchmal auch ein Zweig oder Strauß; in Baden ist der Besen oft bunt geschmückt. Der amtliche Begriff bleibt Straußwirtschaft.
Welche Rebsorten auf welcher Seite wachsen und welche Weingüter es gibt, steht im Artikel Wein und Weingüter im Kraichgau. Warum Heuchelberg und Stromberg auch landschaftlich nicht mehr zum Kraichgau zählen, erklärt die Antwort Gehört der Stromberg zum Kraichgau?
So findest du geöffnete Besen
Der wichtigste Wegweiser ist der digitale Besen-Guide des Tourismusverbands Kraichgau-Stromberg. Er läuft im Browser, lässt sich auf dem Startbildschirm des Smartphones ablegen und filtert nach heute, später, dem nächsten Sonntag oder einem Wunschdatum; eine Karte zeigt die Lage. Der Guide deckt die ganze Reiseregion „Land der 1000 Hügel“ ab, also auch Besen im Stromberg, im Zabergäu und im Landkreis Ludwigsburg. Prüfe deshalb vor der Fahrt den Ort. Umgekehrt fehlt in der Liste des Verbands zum Beispiel der Ihle-Besen in Rauenberg; die Stadt ist nicht Mitglied im Verband.
Für den Landkreis Heilbronn, zu dem Schwaigern, Leingarten und Eppingen gehören, führt die Touristikgemeinschaft HeilbronnerLand einen eigenen Besenkalender, der sich nach Ort und Datum durchsuchen lässt. Einzelne Gemeinden listen ihre Besen selbst: Kürnbach nennt die Besenwirtschaft Czech und die Besenstube Büchele, Schwaigern die Besenwirtschaft des Weinguts Will + Würz in Stetten am Heuchelberg.
Am verlässlichsten bleibt die Website des Betriebs, und weil sich Termine kurzfristig ändern können, im Zweifel ein Anruf.
Vor Ort: Zeichen, Plätze, Bezahlen
Ob geöffnet ist, zeigt traditionell der Besen selbst: Der Reisigbesen hängt am Hoftor oder an der Hauswand, solange ausgeschenkt wird. Drinnen sitzt man eng und selten allein, zusammenrücken gehört dazu. Getrunken wird das Viertele, auch als Schorle, dazu gibt es Vesper und einfache warme Gerichte.
- Bezahlt wird oft bar, Bargeld gehört deshalb in die Tasche.
- Die Küche schließt oft früher als gedacht, in der Reblaus in Malsch etwa um 21 Uhr, sonntags um 20 Uhr (Stand 25.09.2026).
- Hunde sind nicht überall erwünscht. Frag vorher nach, wenn du deinen mitbringen möchtest.
- Größere Gruppen melden sich besser an; mehrere Betriebe öffnen für Feiern ab etwa 30 bis 35 Personen auch außerhalb der Besenzeit.
Mit Bahn, Rad und zu Fuß zum Besen
Wer Wein trinkt, lässt das Auto besser stehen. Zwei Beispiele liegen günstig an der Bahn. Vom Bahnhof Sulzfeld, an dem S 4 und RE 45 zwischen Karlsruhe und Heilbronn halten, sind es rund 1,3 Kilometer zu Fuß zum Weinstadl Pfefferle; beide Linien fahren auch sonntags stündlich in jede Richtung, die letzten Züge kurz nach Mitternacht. In Knittlingen-Kleinvillars liegt die Weinstube Altes Rathaus rund 600 Meter vom Haltepunkt entfernt, an dem am Wochenende bis gegen Mitternacht stündlich Züge nach Bretten und Bruchsal sowie nach Mühlacker halten.
Für Besen ohne Bahnhof in der Nähe lohnt vor dem Aufbruch ein Blick in die Fahrplanauskunft, damit der Rückweg am Abend gesichert ist. Der Tourismusverband schlägt auf seiner Besen-Seite außerdem eine Wander- und eine Radtour mit Einkehr am Ende vor. Mehr zu Wegen und Routen in der Region: Wandern im Kraichgau und Radfahren im Kraichgau.
