Stadt · Landkreis Karlsruhe

Oberderdingen im Kraichgau

Oberderdingen, erst seit November 2023 Stadt, liegt dort, wo die Kraich aus den Wäldern am Stromberg ins Hügelland tritt: mitten im Ort ein ummauerter Klosterhof, im Süden die Weinberge am Derdinger Horn, auf der Höhe ein Dorf, das Waldenser gegründet haben, und im Norden Flehingen mit Wasserschloss und den beiden Bahnhalten der Stadt.

Mit Bus und Bahn
RE 45 und S 4 bis Oberderdingen-Flehingen, weiter mit Bus 702 in 6 Minuten bis nahe Amthof; Bus 144 ab Bahnhof Bretten in 16 bis 18 Minuten (Stand 25.09.2026)
Mit dem Auto
B 293 zwischen Karlsruhe und Heilbronn führt an Flehingen vorbei; Bretten 9 km, Karlsruhe 38 km, Heilbronn 40 km
Derdinger Horn
Aussichtsplattform am Weinplateau und Weinwanderweg mit 15 Tafeln, 7 km ab Wanderparkplatz Derdinger Horn
Blick über den Marktplatz von Oberderdingen auf die Sandsteinbauten des Amthofs mit hohem Giebelhaus, Spitzbogenfenster und einem Eckturm mit rotem Dach, davor Fahnenmasten, Laternen und Blumenkübel

75038 Oberderdingen

Website der Gemeinde

Bild: Willi Bautz, CC0 1.0

Oberderdingen kurz erklärt

Oberderdingen ist eine Stadt im Nordosten des Landkreises Karlsruhe mit 11.753 Einwohnern (Stand 31.12.2025), rund neun Straßenkilometer östlich von Bretten. Vier Fünftel der Fläche gehören zum Naturraum Kraichgau, die bewaldeten Höhen im Süden und Südosten zum Stromberg. Mittelpunkt ist der Amthof, der befestigte Wirtschaftshof des Klosters Herrenalb; zur Stadt gehören außerdem Flehingen mit Wasserschloss und Anschluss an die Kraichgaubahn und das Waldenserdorf Großvillars.

Fakten

Status
Stadt seit 1. November 2023 (316. Stadt in Baden-Württemberg); bis 1964 hieß der Ort Derdingen
Landkreis
Landkreis Karlsruhe; Oberderdingen und Großvillars kamen am 1. Januar 1973 vom Landkreis Vaihingen dazu, Flehingen gehörte schon vorher zum Landkreis Karlsruhe
Einwohner (31.12.2025)
11.753 (amtliche Fortschreibung der Statistischen Ämter)
Fläche
33,57 km², davon 80 Prozent im Naturraum Kraichgau und 20 Prozent im Stromberg
Postleitzahl
75038 für alle Stadtteile; Vorwahl 07045, in Flehingen 07258
Gliederung
Kernstadt Oberderdingen mit Unterderdingen sowie die Stadtteile Flehingen (mit Sickingen) und Großvillars
Höhenlage
gut 150 m an der Kraich unterhalb von Flehingen bis knapp 340 m am Rotenberg im Südosten; Derdinger Horn 321 m
Erste Erwähnung
Flehingen 778/79 als Flancheim, Derdingen als Tardingen, beide im Lorscher Codex
Naturpark
ganzes Stadtgebiet seit 2020 im Naturpark Stromberg-Heuchelberg
Rathaus
Amthof 13, 75038 Oberderdingen (in der früheren Zehntscheune)

Redaktionell geprüft am 6. Oktober 2026.

Kernstadt und zwei Stadtteile

Die heutige Stadt entstand zum 1. Januar 1973, als die badische Gemeinde Flehingen und der ganze Ort Großvillars zu Oberderdingen kamen. Flehingen und Großvillars sind Ortschaften mit eigenem Ortschaftsrat. Die Einwohnerzahlen je Stadtteil haben den Stand Juli 2026; zusammen ergeben sie 11.927 und liegen damit über der amtlichen Zahl.

  • Oberderdingen (Kernstadt)

    dicht bebauter Ort in einer flachen Mulde an der Kraich, mit dem Amthof als Mittelpunkt, dem Marktplatz davor, der Schafscheuer mit Stadtinfo und dem Aschingerhaus. Im Norden ist das frühere Dorf Unterderdingen mit dem Oberdorf zusammengewachsen; dort steht die evangelische Kirche St. Peter und Paul, deren Chor Wandmalereien aus der Zeit um 1380 zeigt, und am Kelterplatz das Lichtmessdenkmal. Dazu kommen die Werke von E.G.O. und BLANCO, das Schulzentrum, das FilpleBad und im Süden der Weg hinauf zum Derdinger Horn; 6.618 Einwohner

  • Flehingen

    knapp drei Kilometer nördlich im Tal der Kraich, 778/79 als Flancheim erwähnt und mit dem 1936 eingemeindeten Sickingen längst zusammengewachsen. Hier fließen Kraich und Kohlbach am Wasserschloss zusammen, in Sickingen steht mit St. Maria Magdalena die Grabkirche der Herren von Sickingen, an der Gochsheimer Straße ein jüdischer Friedhof von 1688. Aus Flehingen stammt der Dorfschullehrer und Dichter Samuel Friedrich Sauter, der als Vorbild der Figur Gottlieb Biedermaier gilt. Beide Bahnhalte der Stadt, das NaturErlebnisBad und eine Verwaltungsstelle liegen hier; bis 1972 selbstständige badische Gemeinde, 4.090 Einwohner

  • Großvillars

    Waldenserdorf knapp drei Kilometer südwestlich auf der Höhe zwischen Oberderdingen und Knittlingen, 1699 von reformierten Glaubensflüchtlingen aus dem Chisonetal im Piemont gegründet und nach Villar Perosa benannt, das seit 2006 Partnergemeinde der Stadt ist. Die lange, gerade Hauptstraße, heute Freudensteiner Straße, läuft auf die Predigtkirche von 1752 zu; das Waldenserhäusle ist Museum. 1866 wurde der Ort zwischen Derdingen und Knittlingen aufgeteilt, seit 1973 gehört er ganz zu Oberderdingen und führt seit dem 1. Dezember 2025 den Zusatz Waldenserort; 1.219 Einwohner

Lage und Anreise

Oberderdingen liegt an einer Landschaftsgrenze. Nach Süden und Osten steigt das Gelände zu einer bewaldeten Stufe aus Gipskeuper und Schilfsandstein an, dem westlichen Rand des Strombergs; ihr bekanntester Punkt ist das Derdinger Horn mit 321 Metern. Nach Norden und Westen öffnet sich das lössbedeckte Hügelland des Kraichgaus mit Äckern und Obstwiesen. 80 Prozent der Stadtfläche liegen im Kraichgau und 20 Prozent im Stromberg, seit einer Erweiterung im Jahr 2020 gehört das ganze Stadtgebiet zum Naturpark Stromberg-Heuchelberg. Die Kraich, die im benachbarten Sternenfels entspringt, fließt mitten durch die Kernstadt nach Nordwesten und nimmt in Flehingen beim Wasserschloss den Kohlbach auf, der aus dem Tal unterhalb der Burg Ravensburg bei Sulzfeld kommt. Die Gemarkung reicht von gut 150 Metern im Nordwesten bis knapp 340 Meter am Rotenberg im äußersten Südosten.

Die drei Stadtteile haben verschiedene Herkunft. Derdingen kam im 13. Jahrhundert an das Zisterzienserkloster Herrenalb, das den Adelssitz im Ort zu einem ummauerten Pfleghof ausbaute und von hier ab 1480 seine Dörfer im nördlichen Kraichgau verwaltete; mit dem Kloster geriet der Ort 1344 unter württembergischen Schutz und wurde nach 1504 württembergisch. Flehingen und Sickingen waren dagegen kurpfälzische Lehen örtlicher Ritterfamilien und kamen um 1805 an Baden. Großvillars entstand 1699 auf verödetem Land, nachdem Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg vertriebene Waldenser aufgenommen hatte. Erst die Kreisreform zum 1. Januar 1973 führte die drei Orte zu einer Gemeinde im Landkreis Karlsruhe zusammen.

Die alte Grenze zeigt sich bis heute im Alltag. Oberderdingen und Großvillars haben die Vorwahl 07045, Flehingen 07258. Die evangelischen Gemeinden von Oberderdingen und Großvillars gehören zur Landeskirche in Württemberg, die Flehinger Gemeinde zur badischen. Und der Wein von der Oberderdinger Lage Kupferhalde ist Württemberger Wein aus der Großlage Stromberg, obwohl die Stadt seit 2014 auch an der Badischen Weinstraße liegt. Weinbau ist hier seit dem 13. Jahrhundert urkundlich belegt, damals unter dem Kloster Herrenalb; heute bauen mehrere Weingüter und die Weingärtnergenossenschaft, die die Kelter im Amthof nutzt, Trollinger, Riesling, Spätburgunder und weitere Sorten an.

Im 20. Jahrhundert wurde aus dem Weindorf ein Industrieort. 1925 gründete Heinrich Blanc eine Metallwarenfabrik, aus der BLANCO hervorging, 1931 kam Karl Fischer mit seiner Firma E.G.O. dazu, die Heiz- und Steuerelemente für Herde und Hausgeräte herstellt; beide haben ihren Hauptsitz in der Stadt. Aus Derdingen stammte auch August Aschinger, der ab 1892 in Berlin Stehbierhallen eröffnete und daraus ein großes Gastronomieunternehmen aufbaute. 1964 benannte sich die Gemeinde von Derdingen in Oberderdingen um, im Alltag hört man den alten Namen noch oft. Am 1. November 2023 verlieh ihr das Land die Bezeichnung Stadt; begründet wurde das unter anderem mit rund 5.000 Arbeitsplätzen, dem historischen Ortskern und den Schulen für das Umland.

Der bekannteste Brauch ist Lichtmess, von den Derdingern ihr Nationalfeiertag genannt. Am 2. Februar, oder am folgenden Dienstag, wenn der Tag auf ein Wochenende fällt, holen ledige Männer zu Pferd um 9 Uhr an der Oberen Mühle sechs große Weißbrotlaibe ab, die Mühlkuchen, und tragen sie auf geschmückten Kreuzstangen mit Musik durch den Ort; die Grundschulkinder ziehen mit Weidenpferdchen mit. Tagsüber ist Markt im Ortskern, abends werden die Kuchen beim Lichtmesstanz verteilt. Der Brauch geht auf den Mühlzins zurück, den die Müller dem Kloster schuldeten; Lichtmessreiter sind seit 1661 belegt.

Eine Bahn in die Kernstadt gab es nie, obwohl sie fast gebaut worden wäre. Von 1919 bis 1923 wurde an einer Strecke von Bretten über Knittlingen und Großvillars nach Derdingen und Kürnbach gebaut; bis Großvillars war der Damm nahezu fertig, dann stoppte die Inflation das Projekt. Westlich von Großvillars erinnert ein Hinweisstein an die Trasse. Heute durchquert die Schnellfahrstrecke von Mannheim nach Stuttgart das Stadtgebiet unter anderem im Wilfenberg- und im Freudensteintunnel, ohne zu halten. Den Bahnanschluss hat Flehingen: Die Kraichgaubahn führt seit 1879 durch den Ort und folgt bis Sulzfeld dem Tal des Kohlbachs.

  • Auto: Die B 293 zwischen Karlsruhe und Heilbronn führt als Umgehung südlich an Flehingen vorbei, von dort geht es über die L 554 in die Kernstadt; aus Richtung Bretten kommt man über die L 1103. Bretten ist rund 9, Pforzheim 28, Karlsruhe 38, Heilbronn 40 und Stuttgart 55 Straßenkilometer entfernt. Zur A5-Anschlussstelle Bruchsal sind es rund 28 Kilometer, zur A8-Anschlussstelle Pforzheim-Nord über Bretten und die B 294 rund 25 Kilometer.
  • Bahn: Beide Halte liegen im Stadtteil Flehingen an der Kraichgaubahn. Am Haltepunkt Oberderdingen-Flehingen beim Industriegebiet, südwestlich des Ortskerns von Flehingen, hält jeden Tag stündlich der RE 45 zwischen Karlsruhe Hbf (37 Minuten, zurück 32) und Heilbronn Hbf (34 Minuten, zurück 36). Die Stadtbahn S 4 fährt tagsüber zweimal pro Stunde Richtung Karlsruhe und erreicht den Karlsruher Marktplatz ohne Umstieg in 52 Minuten; Richtung Heilbronn fährt sie stündlich, bis Heilbronn Hbf in 48 Minuten. Am Bahnhof Flehingen hält fast nur die S 4. Am Haltepunkt gibt es einen Park-and-ride-Platz.
  • Vom Bahnhalt in die Kernstadt: Der Bus 702 fährt vom Haltepunkt Oberderdingen-Flehingen in sechs Minuten zur Haltestelle Sternenfelser Straße, rund 200 Meter vom Amthof, und weiter über Sternenfels nach Mühlacker. Samstags und sonntags fährt er stündlich und ist auf den RE 45 abgestimmt: Ab Karlsruhe Hbf dauert die Fahrt so rund 45 Minuten. Sonntags fährt der erste Bus von Oberderdingen zur Bahn erst kurz nach 9 Uhr. Montags bis freitags fahren zusätzlich die Linien 143 und 145 stündlich zwischen Haltepunkt und Amthof (Stand 25.09.2026).
  • Bus 144 nach Bretten und Sulzfeld: Die Linie verbindet den Bahnhof Bretten über Großvillars (Haltestelle Wilfenberg) in 16 bis 18 Minuten mit der Haltestelle Amthof und fährt weiter über Kürnbach zum Bahnhof Sulzfeld. Samstags und sonntags fährt sie stündlich, werktags in den Hauptverkehrszeiten alle 20 Minuten. In Bretten besteht Anschluss an S 4, RE 45 und die Züge nach Bruchsal und Mühlacker.
  • Großvillars und Knittlingen: Montags bis freitags fährt der Bus 143 stündlich von Knittlingen ZOB / Schule über Großvillars Kirche und den Amthof zum Haltepunkt Oberderdingen-Flehingen, von Knittlingen bis zum Amthof in neun bis elf Minuten. Am Wochenende fährt er nicht; dann erreicht man Großvillars nur mit dem Bus 144 an der Haltestelle Wilfenberg am Nordrand, von dort sind es rund 600 Meter zur Waldenserkirche, und Knittlingen mit Umstieg in Bretten in gut 40 Minuten.
  • Rad: Der Kraichradweg begleitet die Kraich von der Quelle in Sternenfels über die Kupferhalde, die Kernstadt und Flehingen bis zum Rhein bei Ketsch; eine Übersichtstafel steht am Naturfreibad Flehingen. Der Badische Weinradweg führt aus Kraichtal durch Flehingen und Oberderdingen hinauf zum Horn, eine Alltagsroute des Radnetzes Baden-Württemberg verbindet Flehingen über Zaisenhausen und Sulzfeld mit Eppingen und in der anderen Richtung mit Bretten.
  • Parken: Auf den ausgewiesenen Parkplätzen im Ortskern gilt werktags von 8 bis 19 Uhr die Parkscheibe. Für Wanderungen am Horn gibt es den Wanderparkplatz Derdinger Horn am Weinplateau, rund 2 Kilometer südlich des Amthofs. Neben Rosengarten und Freibad liegt ein Wohnmobilstellplatz mit acht Plätzen, ganzjährig geöffnet, 10 Euro pro Nacht, Wasser und Strom gegen Gebühr (Stand 25.09.2026).

Freizeit

  • Amthof mit Laurentiuskirche und Hexenturm

    Der Amthof ist der befestigte Pfleghof, von dem aus das Kloster Herrenalb seinen Besitz in Derdingen und den umliegenden Dörfern verwaltete, und bis heute die Mitte der Stadt. Durch den Torbogen am Torwächterhaus mit den Wappen von Herrenalb und Württemberg betritt man einen Hof, den eine Ringmauer aus der Zeit um 1400 umschließt. Dort stehen das Amtsgebäude von 1391, lange Pfarrhaus und heute evangelisches Gemeindehaus, die Zehntscheune, in der seit 1985 das Rathaus sitzt, die Kelter, der freistehende Glockenturm, dessen unterer Teil als Kornkasten des Hofs entstand, und der Hexenturm mit einer Ausstellung zur Geschichte des Amthofs. Die Laurentiuskirche ließ Herzog Ludwig von Württemberg 1571 bis 1574 als schlichte evangelische Predigtkirche bauen, mit der Kanzel an der Längsseite und Emporen an drei Seiten. Ein Rundgang mit 17 Stationen führt auf rund einem Kilometer durch Amthof und Ortskern; öffentliche Führungen beginnen am ersten Sonntag im Monat um 14.30 Uhr an der Stadtinfo, 2026 noch am 1. November, und dauern etwa anderthalb Stunden.

  • Derdinger Horn, Weinplateau und Weinwanderweg

    Vom Amthof führt das Hornsträßchen gut zwei Kilometer nach Süden zum Horn, einem Keupersporn am Rand des Strombergs mit Weinbergen an den Hängen. Am Weinplateau neben dem Wanderparkplatz steht eine gemauerte Aussichtsplattform über den Reben, dazu eine Wanderhütte mit Rutsche und Tafeln zu Rebsorten und Weinbau. Bei klarer Sicht reicht der Blick über das Hügelland des Kraichgaus bis zur Ravensburg und zum Steinsberg. Unterhalb des Horns zeigt das Geologische Fenster, ein offener Gesteinsaufschluss, die Schichtfolge vom oberen Gipskeuper zum Schilfsandstein. Seit April 2026 führt der Oberderdinger Weinwanderweg mit 15 Tafeln rund ums Horn: 7 Kilometer und etwa 235 Höhenmeter, eine kürzere Variante misst 5,4 Kilometer. Der Weg ist ausgeschildert, aber nicht für Rollstuhl und Kinderwagen geeignet. Er führt am Aussichtspunkt Bergwald vorbei; weiter unten im Tal liegt der Bernhardsweiher in einem eigenen Landschaftsschutzgebiet.

    Mehr zu Wein im Kraichgau
  • Aschingerhaus: Museum und Galerie

    Das Fachwerkhaus von 1726 in der Aschingerstraße 3 ist das Geburtshaus von August Aschinger, der es der Gemeinde hinterließ. Das Museum erzählt, wie aus einem Weindorf ein Industriestandort wurde: mit den Lebensgeschichten von Aschinger, Heinrich Blanc und Karl Fischer und der Entwicklung ihrer Unternehmen. In der früheren Scheune zeigt die Galerie wechselnde Kunstausstellungen, bis 1. November 2026 die Ausstellung „Fluid Stories“ von Nicole Daudert. Geöffnet ist freitags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr, der Eintritt ist frei; zwischen zwei Ausstellungen bleibt das Haus geschlossen (Stand 25.09.2026).

  • Großvillars und das Waldenserhäusle

    Die Anlage des Waldenserdorfs ist bis heute ablesbar: Ein Landvermesser plante 1700 eine lange, gerade Hauptstraße, die heutige Freudensteiner Straße, und an ihrem Ende eine kurze Querstraße, die heutige Heilbronner Straße. Nach einem Brand 1703 durften nur noch Steinhäuser gebaut werden. Die Predigtkirche von 1752 entstand mit Unterstützung reformierter Kirchen aus England und den Niederlanden, das frühere Schulhaus von 1821 ist heute Rathaus. Das Waldenserhäusle, ein Handwerkerhaus aus den 1860er-Jahren in der Freudensteiner Straße 45/1, zeigt auf Glastafeln und in Vitrinen die Geschichte der Waldenser und des Orts. Es öffnet an einzelnen Sonntagen von 14 bis 17 Uhr, 2026 noch am 1. November, im August und Dezember bleibt es geschlossen; der Eintritt ist frei. Durch Großvillars, über das Horn und durch den Amthof nach Flehingen führt der Hugenotten- und Waldenserpfad.

  • Wasserschloss Flehingen und Sickinger Grabkirche

    Am Zusammenfluss von Kraich und Kohlbach steht das Flehinger Wasserschloss, ein Renaissancebau aus der Zeit um 1565 mit quadratischen Ecktürmen, in dem Reste einer spätmittelalterlichen Wasserburg stecken; der Graben ist nur noch zu ahnen. Heute nutzt der Kommunalverband für Jugend und Soziales das Schloss als Bildungszentrum mit Fachschulen, zu sehen ist es deshalb von außen. Wenige Gehminuten östlich steht in Sickingen die Kirche St. Maria Magdalena von 1523, die Grablege der Herren von Sickingen mit zahlreichen Grabdenkmälern; der Reichsritter Franz von Sickingen gehörte zu dieser Familie. Vom Bahnhof Flehingen sind es rund 700 Meter zum Schloss und 500 Meter zur Kirche.

Veranstaltungen

Flohmärkte

Flohmärkte im Kraichgau: alle Termine

Kerwen

Kerwe im Kraichgau: alle Termine

Weihnachtsmärkte

Weihnachtsmärkte im Kraichgau: alle Termine

Alltag

Rathaus und Bürgerbüro sitzen im Amthof 13, in der früheren Zehntscheune. Das Bürgerbüro ist montags bis mittwochs von 7.30 bis 16.30 Uhr geöffnet, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 13 Uhr, dazu an einzelnen Samstagen von 10 bis 12 Uhr, 2026 noch am 24. Oktober, 14. November und 12. Dezember. In Flehingen ist das Bürgerbüro in der Gochsheimer Straße 21 montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr und donnerstags zusätzlich von 14 bis 18 Uhr besetzt. Die Stadtinfo mit Postfiliale in der Schafscheuer am Heinfelser Platz 3, einem Sandsteinbau von 1867, hat montags bis samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr und dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet; dort gibt es den Weinführer der Stadt, Wanderkarten und Termine für Führungen (Öffnungszeiten Stand 25.09.2026).

Der Wochenmarkt findet freitags von 14 bis 18 Uhr am Marktplatz vor dem Amthof statt, von März bis Oktober am ersten Freitag im Monat als Wochenmarkt PLUS mit Ausschank der örtlichen Weingüter (Stand 25.09.2026). Viermal im Jahr ist Krämermarkt im Ortskern: an Lichtmess, am Ostermontag, am ersten Dienstag im September und am Montag nach der Kerwe, 2026 am 9. November. Der Weihnachtsmarkt ist 2026 für den 4. und 5. Dezember angekündigt.

In der Kernstadt liegen die Strombergschule mit Grund-, Haupt- und Werkrealschule, die Leopold-Feigenbutz-Realschule und die Paula-Fürst-Schule, eine Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung; Flehingen und Großvillars haben eigene Grundschulen. Ein Gymnasium gibt es nicht, die nächsten stehen in Bretten. Im Sommer öffnen zwei Freibäder: das beheizte FilpleBad in der Badstraße 1 mit 50-Meter-Becken, Strömungskanal und Breitwellenrutsche und das NaturErlebnisBad Flehingen mit biologischer Wasseraufbereitung. Beide haben die Saison 2026 beendet und öffnen 2027 wieder.

  • Stadtinfo mit Post, Heinfelser Platz 3: Mo bis Sa 9.30 bis 12.30 Uhr, Di bis Fr 15 bis 18 Uhr
  • Bürgerbüro, Amthof 13: Mo bis Mi 7.30 bis 16.30 Uhr, Do bis 18 Uhr, Fr bis 13 Uhr
  • Öffentliche Amthof-Führung: erster Sonntag im Monat, 14.30 Uhr ab Stadtinfo, 2026 noch am 1. November
  • Aschingerhaus: Fr bis So 14 bis 17 Uhr, Eintritt frei, zwischen Ausstellungen geschlossen
  • Waldenserhäusle Großvillars: 2026 noch am 1. November, 14 bis 17 Uhr
  • Mit der Bahn: RE 45 und S 4 bis Oberderdingen-Flehingen, weiter mit Bus 702 zur Sternenfelser Straße
  • Wochenmarkt: freitags 14 bis 18 Uhr am Marktplatz
  • Lichtmess mit Reitern und Markt: das nächste Mal am Dienstag, 2. Februar 2027

Häufige Fragen

Hat Oberderdingen einen Bahnhof?

Die Kernstadt nicht. Beide Bahnhalte liegen im Stadtteil Flehingen an der Kraichgaubahn: der Bahnhof Flehingen, an dem die S 4 hält, und der Haltepunkt Oberderdingen-Flehingen beim Industriegebiet, an dem zusätzlich stündlich der RE 45 zwischen Karlsruhe und Heilbronn hält. Von dort fährt der Bus 702 in sechs Minuten zur Haltestelle Sternenfelser Straße, rund 200 Meter vom Amthof, am Wochenende stündlich (Stand 25.09.2026). Eine eigene Bahn nach Derdingen wurde zwischen 1919 und 1923 gebaut, aber nie fertiggestellt.

Ist Oberderdingen badisch oder württembergisch?

Beides, je nach Stadtteil. Oberderdingen und Großvillars waren württembergisch und gehörten bis 1972 zum Landkreis Vaihingen, Flehingen war badisch. Seit dem 1. Januar 1973 gehört die ganze Stadt zum Landkreis Karlsruhe. Die alte Grenze wirkt nach: Die evangelischen Gemeinden in Oberderdingen und Großvillars gehören zur württembergischen Landeskirche, die in Flehingen zur badischen, und der Wein von der Oberderdinger Kupferhalde ist Württemberger Wein aus der Großlage Stromberg. Auch die Vorwahlen unterscheiden sich: 07045 in Oberderdingen und Großvillars, 07258 in Flehingen.

Liegt Oberderdingen im Kraichgau oder im Stromberg?

Überwiegend im Kraichgau. 80 Prozent der Stadtfläche liegen im Naturraum Kraichgau, vor allem das Hügelland um die Kernstadt, Flehingen und Großvillars. Die übrigen 20 Prozent, die bewaldeten Höhen im Süden und Südosten mit Derdinger Horn und Rotenberg, zählen zum Stromberg. Seit 2020 gehört das ganze Stadtgebiet zum Naturpark Stromberg-Heuchelberg, außerdem ist die Stadt Mitglied im Tourismusverband Kraichgau-Stromberg. Wie Naturraum, Naturpark und Reiseregion zusammenhängen, erklärt die Antwort Gehört der Stromberg zum Kraichgau?

Was passiert an Lichtmess in Oberderdingen?

Am 2. Februar, oder am Dienstag danach, wenn der Tag auf ein Wochenende fällt, reiten ledige junge Männer um 9 Uhr zur Oberen Mühle und holen dort sechs große Weißbrotlaibe ab, die Mühlkuchen. Auf geschmückten Kreuzstangen tragen sie die Kuchen mit Musik durch den Ort, die Grundschulkinder begleiten sie mit Weidenpferdchen. Tagsüber ist Lichtmessmarkt im Ortskern, am Abend werden die Kuchen beim Lichtmesstanz verteilt. Der Brauch geht auf den Mühlzins an das Kloster Herrenalb zurück und ist seit 1661 belegt. Das nächste Lichtmess ist am Dienstag, 2. Februar 2027.

Was unterscheidet Großvillars von Kleinvillars?

Beide Dörfer gründeten Waldenser aus dem Piemont um 1699, und bis 1826 bildeten sie eine gemeinsame Gemeinde. Großvillars liegt auf der Höhe zwischen Oberderdingen und Knittlingen, war von 1866 bis 1972 zwischen beiden Orten geteilt und gehört seit 1973 ganz zu Oberderdingen; seit Dezember 2025 führt es den Zusatz Waldenserort und hat mit dem Waldenserhäusle ein eigenes Museum. Kleinvillars liegt gut fünf Kilometer Luftlinie weiter südlich, jenseits der Knittlinger Kernstadt, ist ein Stadtteil von Knittlingen und an seinem Südrand liegt der Halt Knittlingen-Kleinvillars an der Bahnstrecke von Bruchsal nach Mühlacker.

Weiterführende Themen

Quellen