Stadt · Landkreis Heilbronn

Leingarten im Kraichgau

Zwei Dörfer, zwischen denen bis 1945 eine Landesgrenze lag, bilden heute eine Stadt im unteren Leintal: das württembergische Großgartach und das einst badische Schluchtern. Darüber steht auf der Ostspitze des Heuchelbergs die Heuchelberger Warte, gleich hinter der östlichen Stadtgrenze beginnt Heilbronn.

Mit der Bahn
S 4 in Ost, Bahnhof, Mitte und West; RE 45 nur am Bahnhof, bis Heilbronn Hbf 6 Minuten
Mit dem Auto
B 293 zwischen Heilbronn und Eppingen, A6-Anschlussstelle Heilbronn/Neckarsulm rund 13 km
Wahrzeichen
Heuchelberger Warte von 1483, Aussichtsturm auf der Ostspitze des Heuchelbergs, frei zugänglich
Der runde Sandsteinturm der Heuchelberger Warte mit Zinnenkranz und Fahne ragt hinter Bäumen über eine gemähte Wiese in den blauen Himmel

74211 Leingarten

Website der Gemeinde

Bild: Armin Vogel, CC BY 2.0, Ausschnitt

Leingarten kurz erklärt

Leingarten ist eine Stadt mit 11.595 Einwohnern (Stand 31.12.2025) im Landkreis Heilbronn, am östlichen Rand des Kraichgaus rund sechs Kilometer westlich von Heilbronn. Sie entstand 1970 aus den Gemeinden Großgartach und Schluchtern und trägt seit 2020 die Bezeichnung Stadt. Wahrzeichen ist die Heuchelberger Warte von 1483, ein frei zugänglicher Aussichtsturm; unten im Tal hält die Stadtbahn S 4 an vier Stellen, am Bahnhof zusätzlich der RE 45.

Fakten

Status
Stadt seit 1. Januar 2020, Gemeinde seit 1. Januar 1970 aus Großgartach und Schluchtern
Landkreis
Landkreis Heilbronn; grenzt im Osten an den Stadtkreis Heilbronn
Einwohner (31.12.2025)
11.595 (amtliche Fortschreibung der Statistischen Ämter)
Fläche
23,47 km², davon 83 Prozent im Naturraum Kraichgau, 15 Prozent im Heuchelberg und der Rest im Neckarbecken
Postleitzahl
74211
Gliederung
Stadtteile Großgartach und Schluchtern, zu Schluchtern gehört der Wohnplatz Riedhöfe
Höhenlage
Ortskerne um 170 m an der Lein, Heuchelberger Warte gut 315 m
Erste Erwähnung
Großgartach um 766 und Schluchtern 767 im Lorscher Codex
Rathaus
Heilbronner Straße 38, 74211 Leingarten

Redaktionell geprüft am 6. Oktober 2026.

Großgartach und Schluchtern: zwei Dörfer, eine Stadt

Leingarten entstand am 1. Januar 1970 durch den freiwilligen Zusammenschluss von Großgartach und Schluchtern. Bei der Bürgeranhörung im Oktober 1969 stimmten in Großgartach 1.525 Menschen dafür und 340 dagegen, im kleineren Schluchtern, das eine Übermacht des Nachbarn fürchtete, 616 dafür und 371 dagegen. Seit den 1950er-Jahren waren beide Orte durch Neubaugebiete aufeinander zugewachsen, heute ist die Grenze im Ortsbild kaum zu erkennen. Das Stadtwappen vereint die Zeichen der beiden Kirchenpatrone, das Schwert des heiligen Pankratius aus Schluchtern und den Rost des heiligen Laurentius aus Großgartach.

  • Großgartach

    der größere Stadtteil im Osten, entlang der Heilbronner Straße am südlichen Talhang der Lein, mit Rathaus und Lorenzkirche; die Herrschaft teilten sich Württemberg und das Kraichgauer Kloster Odenheim beziehungsweise dessen Nachfolger, das Ritterstift in Bruchsal; dessen Anteil kam 1802 an Baden und 1806 im Tausch an Württemberg, seitdem ist der Ort ganz württembergisch; zur Gemarkung von 1.687 Hektar gehören der Heuchelbergsporn mit Warte und Frankenschanze und das Gewerbegebiet Wasen

  • Schluchtern

    der kleinere Stadtteil im Westen am nördlichen Talhang, mit einer Gemarkung von 661 Hektar; bis 1803 kurpfälzisch, von 1806 bis 1945 badische Enklave inmitten Württembergs; im alten Ortskern um die Eppinger Straße stehen Pankratiuskirche, Martin-Luther-Kirche und das Alte Rathaus mit dem Heimatmuseum, nahe dem Halt Leingarten West; auf der Gemarkung liegen auch die Harchenburg am Heuchelberg und der 1966 angelegte Wohnplatz Riedhöfe

Lage und Anreise

Leingarten liegt im unteren Leintal, wenige Kilometer bevor die Lein das Neckartal erreicht. 83 Prozent der Stadtfläche gehören zum Kraichgau, genauer zum Leinbachgäu, und 15 Prozent zum Heuchelberg; nach Osten leiten die absteigenden Schotterterrassen des Neckars schon zum Heilbronner Becken über. Der bewaldete Ostsporn des Heuchelbergs ragt im Südwesten in die Gemarkung, an seiner Spitze steht auf gut 315 Metern die Heuchelberger Warte, rund 145 Meter über den Ortskernen. Die Lein fließt von Westen durch die Stadt und verlässt sie am tiefsten Punkt der Gemarkung, gut 164 Meter hoch, Richtung Heilbronn; nach 27 Kilometern mündet sie in Neckargartach in den Neckar. Ihr alter Name Gartach steckt zusammen mit dem heutigen im Stadtnamen.

Bis 1945 verlief zwischen den beiden Stadtteilen eine Landesgrenze. Großgartach kam 1806 ganz an Württemberg und gehörte ab 1811 zum Oberamt Heilbronn; an die frühere Herrschaft des Klosters Odenheim erinnert der Odenheimer Hof am Kirchenplatz. Schluchtern dagegen fiel 1806 an Baden und war fortan eine badische Enklave, verwaltet aus dem Kraichgau: ab 1813 vom Bezirksamt Eppingen, ab 1924 von Sinsheim. Erst im Juni 1945 wies die amerikanische Militärregierung den Ort dem Landkreis Heilbronn zu, endgültig bestätigte das der Landtag 1956. Die katholische Gemeinde Schluchtern wechselte 1971 vom Erzbistum Freiburg zum Bistum Rottenburg-Stuttgart, die evangelische 1975 von der badischen zur württembergischen Landeskirche; sie ist bis heute neben der Großgartacher eine eigene Kirchengemeinde.

Die Warte ließ Graf Eberhard im Bart 1483 als westlichen Eckpunkt des württembergischen Landgrabens bauen, einer Grenz- und Zolllinie, die vom Heuchelberg bis zu den Löwensteiner Bergen reichte. Unterhalb des Turms ziehen sich Reben um den Fuß des Heuchelbergs. In Leingarten wachsen 135 Hektar Reben (Stand 31.07.2024), gut zwei Drittel davon rote Sorten; Hauptsorten sind Trollinger, Schwarzriesling, Riesling, Spätburgunder und Lemberger. Die Lagen gehören zur Großlage Heuchelberg im Weinbaugebiet Württemberg; die Weingärtnergenossenschaft Großgartach fusionierte 1971 mit der Heuchelberg-Kellerei in Schwaigern, den heutigen Heuchelberg Weingärtnern. Warum der Heuchelberg naturräumlich nicht mehr zum Kraichgau zählt, erklärt die Antwort Gehört der Stromberg zum Kraichgau?

  • Stadtbahn S 4: Sie hält von Ost nach West in Leingarten Ost, am Bahnhof Leingarten, in Leingarten Mitte und in Leingarten West. Richtung Heilbronn fährt sie jeden Tag tagsüber alle 30 Minuten und erreicht vom Bahnhof in 9 Minuten den Hauptbahnhof/Willy-Brandt-Platz und in 15 Minuten die Harmonie in der Innenstadt, die meisten Bahnen fahren weiter bis Öhringen. Richtung Westen endet jede zweite Bahn in Schwaigern, die übrigen fahren stündlich über Eppingen (23 Minuten) und Bretten bis Karlsruhe, zum Marktplatz gut 90 Minuten.
  • Regionalexpress RE 45: Seit Juni 2025 hält er am Bahnhof Leingarten, jeden Tag stündlich in beide Richtungen; an den drei anderen Halten hält er tagsüber nicht. Heilbronn Hbf erreicht er in 6 Minuten, Eppingen in 16, Bretten in 39 und Karlsruhe Hbf in 66 Minuten; montags bis freitags fahren die Züge Richtung Karlsruhe ab 20.41 Uhr nur noch bis Bretten.
  • Auto: Leingarten liegt an der B 293 von Heilbronn nach Eppingen und Karlsruhe. Vom Rathaus sind es knapp 7 Kilometer zum Heilbronner Hauptbahnhof und knapp 19 nach Eppingen. Die nächste Autobahnauffahrt ist Heilbronn/Neckarsulm (37) an der A6, über B 293 und Neckartalstraße rund 13 Kilometer oder eine Viertelstunde; zur Anschlussstelle Heilbronn/Untereisesheim (36) sind es rund 15 Kilometer.
  • Bus: Montags bis freitags verbindet die Linie 677 den Bahnhof stündlich mit Massenbachhausen und dem Heilbronner Stadtteil Kirchhausen, die 679 fährt alle zwei Stunden nach Nordheim. Am Wochenende fahren keine Busse im Ort. Dienstags und freitags fährt von 8 bis 17.30 Uhr der kostenlose Bürgerbus, ein Achtsitzer, ab dem Bahnhof eine Nord- und eine Südrunde durch beide Stadtteile.
  • Rad: Der Württemberger Weinradweg führt auf seiner Etappe von Heilbronn nach Lauffen am Heuchelberg entlang durch den Süden der Stadt. Nach Heilbronn und talaufwärts bis Eppingen ist Leingarten über eine ausgeschilderte Alltagsroute des Landesradnetzes angebunden.

Freizeit

  • Heuchelberger Warte

    Der schlanke Rundturm von 1483 überwachte einst den württembergischen Landgraben, Ende des 19. Jahrhunderts wurde er zum Aussichtsturm umgebaut und nach einer Sanierung 2002 wieder geöffnet. 94 enge Stufen führen auf die Plattform des rund 20 Meter hohen Turms, er ist frei zugänglich. Der Blick geht über die Reben ins Neckartal mit Heilbronn und zu den Löwensteiner Bergen, nach Nordwesten über das Hügelland des Kraichgaus bis zum rund 19 Kilometer entfernten Steinsberg. Der Turm gehört der Stadt, daneben liegen eine Gaststätte mit Biergarten und zwei Waldspielplätze.

  • Frankenschanze und Harchenburg

    Auf dem Heuchelberg liegen zwei alte Wallanlagen im Wald. Rund 300 Meter nördlich der Warte ist die Frankenschanze zu erkennen, ein ovaler Ringwall von 84 auf 66 Metern. Weiter westlich, auf einem Bergsporn der Schluchterner Gemarkung an der Grenze zu Schwaigern, sind von der Harchenburg Wälle und Gräben auf gut einem Hektar erhalten; vermutlich war sie eine frühmittelalterliche Fliehburg.

  • Museum „Altes Rathaus“

    Im Schluchterner Rathaus von 1902 an der Eppinger Straße 150 zeigt der Heimatverein Funde aus der Jungsteinzeit, darunter Keramik der Großgartacher Kultur, dazu alte Markungssteine, örtliches Handwerk und Geschichten von Aus- und Einwanderung. Seit 2020 bietet ein Anbau zusätzlichen Platz für Ausstellungen. Geöffnet ist sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr; vom Halt Leingarten West sind es knapp 500 Meter.

  • Ortskern Schluchtern

    Rund um das Museum zeigt sich die bewegte Konfessionsgeschichte des Dorfes. Die im Kern spätgotische Pankratiuskirche nutzten zeitweise drei Konfessionen gemeinsam, seit 1823 ist sie katholisch; die evangelische Martin-Luther-Kirche entstand 1843 bis 1846, dazwischen stehen die Pfarrhäuser von 1727 und 1858. In der Brunnengasse stand die Synagoge von 1914, die im November 1938 verwüstet wurde. Die jüdische Gemeinde stellte 1812 ein Zehntel der Einwohner, ihre letzten Mitglieder wurden 1940 nach Gurs deportiert; erhalten ist ihr um 1900 angelegter Friedhof. Am letzten Juniwochenende füllt das Gassenfest die Gassen zwischen Eppinger Straße und Leinbach.

  • Lorenzkirche und Käsritt in Großgartach

    Neben dem Rathaus steht die evangelische Lorenzkirche, 1913 nach Plänen von Martin Elsaesser gebaut; vom spätromanischen Vorgängerbau blieb der Turmchor als Taufkapelle erhalten. Großgartach feiert den Käsritt, ein Heimatfest mit Festzug und ländlichem Pferderennen. Er geht auf ein altes Weiderecht am benachbarten Rittergut Hipfelhof zurück, das gegen jährlich zwei Laib Käse abgelöst wurde; zuletzt fand er 2025 statt.

  • Erlebnispfad Heuchelberger Wald und Eichbottseen

    Vom Halt Leingarten Mitte führt der ausgeschilderte Pfad am Naherholungsgebiet Eichbott vorbei zur Warte, mit Mitmachstationen wie Barfußpfad und Insektenhaus; als Rundtour misst er gut fünf Kilometer. Im Eichbotttal am Nordhang des Heuchelbergs liegen zwei größere und ein kleiner See mit Biotop, Arboretum und Spielplatz.

Veranstaltungen

Flohmärkte

Flohmärkte im Kraichgau: alle Termine

Weihnachtsmärkte

Weihnachtsmärkte im Kraichgau: alle Termine

Alltag

Das Rathaus steht an der Heilbronner Straße 38 im Ortskern von Großgartach, rund 500 Meter zu Fuß vom Bahnhof. Geöffnet ist es montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr, donnerstags zusätzlich von 14 bis 16 Uhr und dienstags durchgehend von 7 bis 19 Uhr. Davor ist freitags von 8 bis 14 Uhr Wochenmarkt, dienstagvormittags kommen einige Händler.

Am Halt Leingarten Mitte liegt das Eichbottzentrum mit der Eichbottschule, einer Gemeinschaftsschule mit Grundschule, dazu Bücherei, Sporthalle und Eichbottbad, das von Mai bis September als Freibad und von Oktober bis April als Hallenbad öffnet. Die zweite Grundschule ist die Hans-Sauter-Schule; ein Gymnasium hat Leingarten nicht.

  • Rathaus: Heilbronner Straße 38, dienstags durchgehend 7 bis 19 Uhr
  • Wochenmarkt: freitags 8 bis 14 Uhr vor dem Rathaus, dienstags 8 bis 13 Uhr mit wenigen Händlern
  • Museum „Altes Rathaus“: Eppinger Straße 150, sonn- und feiertags 14 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags 17 bis 19 Uhr
  • Heuchelberger Warte: Turm frei zugänglich, 94 Stufen; mit dem Auto nur bis zum Wanderparkplatz unterhalb
  • Bahn: RE 45 tagsüber nur am Bahnhof, S 4 an allen vier Halten
  • Bürgerbus: dienstags und freitags 8 bis 17.30 Uhr ab Bahnhof, kostenlos

Häufige Fragen

Seit wann ist Leingarten eine Stadt?

Seit dem 1. Januar 2020. Die Landesregierung beschloss am 5. November 2019, der Gemeinde die Bezeichnung Stadt zu verleihen; Leingarten wurde damit die 314. Stadt in Baden-Württemberg. Ein erster Anlauf rund zehn Jahre zuvor war noch gescheitert. Die Gemeinde selbst besteht seit dem 1. Januar 1970, als sich Großgartach und Schluchtern zusammenschlossen. Eine mittelalterliche Altstadt hat Leingarten deshalb nicht, sondern zwei alte Dorfkerne.

Warum gehörte Schluchtern zu Baden?

Weil es bis 1803 zur Kurpfalz gehörte. Mit dem pfälzischen Oberamt Mosbach kam es zunächst an das Fürstentum Leiningen und 1806 an Baden, während alle Nachbarorte württembergisch wurden. So blieb Schluchtern fast 140 Jahre eine badische Insel in Württemberg; mehrere Anläufe, das zu ändern, scheiterten. Erst die amerikanische Militärregierung schlug den Ort im Juni 1945 dem Landkreis Heilbronn zu, der Landtag bestätigte das 1956. Seit 1970 ist Schluchtern ein Stadtteil von Leingarten.

Kann man die Heuchelberger Warte besteigen?

Ja, der Aussichtsturm ist frei zugänglich. Über 94 enge Stufen geht es auf die Plattform des rund 20 Meter hohen Turms. Mit dem Auto fährt man bis zu einem Wanderparkplatz unterhalb und läuft etwa zehn Minuten. Mit der S 4 steigt man in Leingarten Mitte aus und folgt dem Erlebnispfad Heuchelberger Wald, knapp drei Kilometer und rund 140 Höhenmeter bergauf. Neben dem Turm gibt es eine Gaststätte mit eigenen Öffnungszeiten.

Hält der RE 45 in Leingarten?

Ja, seit Juni 2025, allerdings nur am Bahnhof Leingarten. Möglich wurde der Halt erst durch das zweite Gleis zwischen Schwaigern und Leingarten. Der Regionalexpress fährt jeden Tag stündlich in beide Richtungen und braucht bis Heilbronn Hbf 6 Minuten, bis Karlsruhe Hbf 66 Minuten. An den Halten Leingarten Ost, Mitte und West hält tagsüber nur die Stadtbahn S 4, die Richtung Heilbronn alle 30 Minuten fährt.

Was ist die Großgartacher Kultur?

Eine Kultur der mittleren Jungsteinzeit, etwa von 4900 bis 4700 vor Christus. Den Namen prägte der Heilbronner Arzt Alfred Schliz um 1900 nach seinen Grabungen in einer Siedlung bei Großgartach. Typisch ist Keramik mit Kugelboden und Bändern aus Doppelstichen, die mit weißer Masse ausgelegt sind. Verbreitet war die Kultur vom Elsass über das Rheinland bis in den Raum Erfurt. Funde aus Leingarten zeigt das Museum „Altes Rathaus“ in Schluchtern.

Weiterführende Themen

Quellen