Tal oder Hügel: was dich unterwegs erwartet
Der Kraichgau ist ein Hügelland mit dicker Lössdecke, in das Bäche Täler geschnitten haben. Für Radfahrer heißt das: Im Tal rollt es fast eben, oben geht es ständig auf und ab. Der Unterschied ist deutlich: Der Kraichradweg hat auf 63 Kilometern 101 Höhenmeter bergauf, die Elsenztal-Tour talabwärts rund 40. Die siebte Etappe des Badischen Weinradwegs sammelt auf ähnlicher Länge 757 Höhenmeter.
Die einzelnen Anstiege sind kurz. Am Kraichradweg sind es 56 Höhenmeter vom Kraichsee zu den Sieben Buchen, zwischen dem Schloss Neckarbischofsheim und der Burg Steinsberg rund 160 Meter Höhenunterschied. Dafür führen asphaltierte Wirtschaftswege in den Weinbergen oft direkt den Hang hinauf, etwa von Sulzfeld hinauf zur Ravensburg. Mit Kindern oder ohne viel Training passen deshalb die Talrouten. Für Touren ab etwa 500 Höhenmetern, etwa die Burgenstraße-Schleife oder die Weinradweg-Etappe 7, lohnt ein E-Bike.
Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, findet Touren und Fernwanderwege im Artikel Wandern im Kraichgau.
Radfernwege durch das Gebiet
Das RadNETZ Baden-Württemberg verbindet auf mehr als 8.000 Kilometern rund 700 Kommunen, auch die Städte des Kraichgaus untereinander. Für Ausflüge wichtiger sind die 21 Landesradfernwege, deren Beschilderung das Land pflegt. Fünf davon berühren das Gebiet:
- Badischer Weinradweg mit den Etappen 6 von Ettlingen über Bruchsal nach Oberderdingen und 7 von Oberderdingen nach Wiesloch
- Württemberger Weinradweg von Heilbronn am Heuchelberg entlang über Leingarten, Schwaigern und Kleingartach ins Zabergäu
- Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweg, der von Bruchsal durch das Saalbachtal nach Bretten führt
- Stromberg-Murrtal-Radweg von Karlsruhe über Pfinztal und Knittlingen-Kleinvillars nach Maulbronn
- Neckartal-Radweg am Rand des Gebiets bei Bad Wimpfen und Bad Rappenau-Heinsheim
Dazu kommen regionale Routen mit eigenem Logo: der Kraichradweg, die Elsenztal-Tour, die Leimbachroute des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim vom Bahnhof Sinsheim-Hoffenheim nach Brühl und der Radweg Burgenstraße, der auf 191 Kilometern von Mannheim über das Neckartal und das Hügelland nach Heilbronn führt. Rund um Bad Wimpfen und Bad Rappenau erklären 16 Tafeln am Salz-und-Sole-Radweg die Salzgewinnung am unteren Neckar.
Der Tourismusverband Kraichgau-Stromberg hat zusätzlich eigene Rundtouren ausgeschildert, von der Riesling-Tour ab Stettfeld bis zur Kraichgau-Blick-Tour ab Eppingen. Ein Teil davon liegt im Stromberg und im Zabergäu, also außerhalb des Kraichgaus.
Mit Bahn und Rad
Die Täler sind zugleich Bahnstrecken. Deshalb lassen sich viele Routen als Streckentour fahren, mit Rückfahrt im Zug:
- S 4 und RE 45 auf der Kraichgaubahn von Karlsruhe über Bretten und Eppingen nach Heilbronn: Flehingen für Kraichradweg, Ähren-Tour und Weinradweg, Sulzfeld und Schwaigern für die Verbindungsstrecke.
- S 7 im Elsenztal von Heidelberg über Neckargemünd und Sinsheim nach Eppingen: für die Elsenztal-Tour, die Leimbachroute ab Hoffenheim und den Radweg Burgenstraße ab Steinsfurt.
- S 31 und S 32 ab Bruchsal: Die S 32 hält in Kraichtal direkt am Kraichradweg, die S 31 fährt über Stettfeld nach Odenheim.
- S 3 zwischen Bruchsal und Heidelberg: Bad Schönborn Süd am Kraichradweg, Wiesloch-Walldorf am Ende der Weinradweg-Etappe.
- S 42 von Heilbronn über Bad Wimpfen nach Bad Rappenau und Sinsheim, S 8 bis Neckarbischofsheim Nord.
In den Zügen der drei Verkehrsverbünde VRN, KVV und HNV fährt das Fahrrad samstags, sonntags und an Feiertagen ganztägig kostenlos mit, werktags vor 6 und ab 9 Uhr ebenso. Montags bis freitags von 6 bis 9 Uhr braucht es eine Fahrradkarte, im KVV geht auch eine eigene 2-Waben-Einzelfahrkarte für das Rad. In VRN und HNV darf jede Person ein Rad mitnehmen. Kinderwagen und Rollstühle haben Vorrang, einen Anspruch auf einen Platz gibt es nicht. Im VRN sind Pedelecs und E-Bikes bis 40 Kilogramm und 2 Meter Länge zugelassen, zusammengefaltete Falträder gelten als Gepäck (Stand 28.09.2026).
Fallen Züge wegen Bauarbeiten aus, fahren Ersatzbusse. Ob sie Räder mitnehmen, steht in der Meldung des Verkehrsunternehmens; prüfe vor einer Streckentour die Baustellenhinweise in der Fahrplanauskunft.
E-Bike, Ladepunkte und Pannenhilfe
Der Tourismusverband Kraichgau-Stromberg sammelt öffentliche E-Bike-Ladestationen in einer Liste, viele davon bei Gasthäusern. Ein Beispiel ist der Charger Cube am Kreuzbergsee bei Östringen-Tiefenbach: acht Ladeanschlüsse mit Adaptern für gängige Akkus, kostenlos und jederzeit zugänglich, direkt am Katzbachtal-Radweg (Stand 28.09.2026). Prüfe vor der Tour, ob der Ladepunkt in Betrieb ist.
An den sogenannten Hügel-Pausen, Gasthäusern entlang der Touren, stehen Radständer mit kostenlosen Leihschlössern. Für kleine Reparaturen gibt es Servicestationen mit Luftpumpe und Werkzeug. Am Kraichradweg steht eine an der Rathausstraße 30 in Kraichtal-Münzesheim, rund um die Uhr nutzbar. Im Landkreis Heilbronn gibt es mehr als 35 frei zugängliche RadSERVICE-Punkte.
Rennrad und Gravel: die Hügel-Pässe
Für sportliche Fahrer hat der Tourismusverband markante Anstiege als Hügel-Pässe mit eigenen Passschildern ausgewiesen, etwa den Michaelsberg bei Untergrombach, den Schindelberg zwischen Östringen und Odenheim und die Kleingartacher Höhe. Wer alle an einem Tag sammeln will, fährt die Hügel-Pass-Challenge ab Bahnhof Bretten: rund 200 Kilometer und 2.800 Höhenmeter, nicht ausgeschildert, der Track liegt bei komoot.
Kürzer ist die Radstrecke des Ironman 70.3 Kraichgau, die der Verband auf großen Teilen der Wettkampfstrecke als Tour nachgezeichnet hat: knapp 90 Kilometer mit 887 Höhenmetern vom Hardtsee in Ubstadt-Weiher zweimal über den Schindelberg, dazwischen eine Schleife über Odenheim, Menzingen und Flehingen, Ziel ist Bad Schönborn. Wann die Strecke am Renntag gesperrt ist, steht im Guide zum Ironman Kraichgau.
Für Gravelbikes gibt es Gravel-Genuss-Touren über Schotterwege, jeweils mit einer Hügel-Pause als Ziel. Die Runde ab Bruchsal über den Michaelsberg zu einem Hofladen in Oberderdingen ist 55 Kilometer lang und hat 630 Höhenmeter, die Runde ab Bad Schönborn zwischen Östringen und Ubstadt-Weiher 46 Kilometer mit 470 Höhenmetern.
Regeln im Wald, im Weinberg und im Naturschutzgebiet
- Wald: Rad fahren ist nur auf Straßen und Wegen erlaubt, nicht auf Wegen unter 2 Meter Breite und nicht auf Sport- und Lehrpfaden; auf Fußgänger ist Rücksicht zu nehmen (§ 37 Landeswaldgesetz). Schmale Pfade sind also tabu, auch wenn sie befahrbar aussehen.
- Feld und Weinberg: Fahrräder und Pedelecs dürfen auf geeigneten Wegen fahren. Weinberge, Obstanlagen und Gärten darfst du nur auf Wegen betreten, Äcker und Wiesen zwischen Saat und Ernte ebenfalls (§ 44 Naturschutzgesetz). In den Reben arbeiten Winzer das ganze Jahr, Traktoren biegen ohne Vorwarnung aus den Rebzeilen.
- Naturschutzgebiete: Hier gilt die jeweilige Verordnung. Im Naturschutzgebiet Mauermer und Bammentaler Elsenztal, das die Elsenztal-Tour durchquert, sind Fahrräder nur auf befestigten Wegen über zwei Meter Breite erlaubt, und Hunde gehören an die Leine. Dieselbe Zwei-Meter-Regel gilt am Michaelsberg bei Untergrombach und in der Ungeheuerklamm bei Weingarten.
- Hohlwege: Die Lösswände sind geschützte Biotope, über Böschungen fährt man nicht, und nach Regen wird der Lössboden rutschig. Mehr dazu im Artikel Hohlwege im Kraichgau.
Die beste Zeit für Radtouren
- Frühjahr: In der Spargelzeit führen die ausgeschilderte Tour de Spargel ab Bruchsal und eine Runde um Helmstadt-Bargen an den Feldern vorbei; mehr im Artikel über den Spargel.
- Sommer: Die Hügelrouten führen lange durch offene Reben und Felder. Nimm Sonnenschutz und ausreichend Wasser mit. Mehr Schatten bieten Talrouten, die streckenweise durch Wald führen, etwa die Elsenztal-Tour zwischen Neckargemünd und Sinsheim.
- Herbst: Weinlese und Besenzeit. Die Besen-Tour des Tourismusverbands ab Oberderdingen führt auf 37,6 Kilometern mit 490 Höhenmetern über das Derdinger Horn; wann welcher Besen offen hat, steht im Artikel über die Besenwirtschaften.
- Winter: Asphaltierte Talrouten bleiben fahrbar, unbefestigte Lösswege werden nach Regen und Tauwetter schmierig.
