Ein Wochenende im Jahr 1504
Am ersten Juliwochenende wird die Brettener Innenstadt zur belagerten Stadt Brettheim. Rund 50 Brettener Gruppen und dazu Gastgruppen schlagen ihre Lager auf: Landsknechte, Bauern, Schäfer, Stadtwache, Krämer und Handwerker zeigen in den Gassen, wie man um 1500 lebte, kochte und kämpfte. Fast 4.000 Mitwirkende sind in historischen Gewändern unterwegs, über die vier Tage kommen weit mehr als 100.000 Gäste. Das Besondere daran: Die Stadt spielt ihre eigene Geschichte nach, an den Plätzen, an denen sie geschah, vom Marktplatz über den Kirchplatz bis zum Simmelturm, einem Turm der mittelalterlichen Stadtmauer.
Jeder Festtag hat ein Motto, das dem Verlauf der Belagerung folgt. Am Freitag rüstet sich Brettheim, am Samstag verteidigt es sich, am Sonntag huldigt die Stadt dem Kurprinzen und feiert ihren Sieg, und am Montag feiert Bretten. Wer das Fest zum ersten Mal besucht, plant am besten den Samstag oder den Sonntag ein: Am Samstag liegen Schlacht, Zapfenstreich und Feuerwerk an einem Abend, am Sonntag zieht der Festzug. Familien finden am Samstag- und am Montagnachmittag eigenes Programm für Kinder. Am Montag ist das Festgelände kleiner, dann stehen Schwartenmagenumzug, Kinderfest und spontane Auftritte der Gruppen im Mittelpunkt.
Was 1504 geschah und seit wann gefeiert wird
Bretten gehörte zur Kurpfalz, als der Landshuter Erbfolgekrieg 1504 den Kraichgau erreichte. Im Juni rückte Herzog Ulrich von Württemberg mit seinem Heer vor die Stadt, seine Artillerie beschoss die Mauern tagelang, insgesamt dauerte die Belagerung rund zwei Wochen. Um den Peter-und-Paul-Tag am 29. Juni brachen die Verteidiger aus der Stadt aus und machten einen Teil der Geschütze unbrauchbar. Kurz darauf vereinbarte Ulrich einen Waffenstillstand und brach die Belagerung ab. Die Folgen reichten weit: Die neue Grenze zwischen Kurpfalz und Württemberg verlief fortan zwischen Bretten und dem Nachbarort Knittlingen, der württembergisch wurde. Unter den Belagerten war der siebenjährige Philipp Schwartzerdt, später bekannt als Melanchthon. An der Stelle seines Geburtshauses am Marktplatz steht heute das Melanchthonhaus.
Das Drehbuch des Fests ist die Chronik seines jüngeren Bruders Georg Schwartzerdt, des späteren Brettener Schultheißen, der sie erst Jahrzehnte nach den Ereignissen niederschrieb. Bei ihm ist der Ausfall der Wendepunkt der Belagerung. Der württembergische Büchsenmeister Hans Glaser erwähnt ihn in seiner Reimchronik vom Feldzug dagegen nur als Scharmützel. Wer am Samstag die Szenen auf dem Kirchplatz und die Schlacht verfolgt, sieht also die Brettener Sicht der Dinge. Die Schauplätze der Chronik zeigt eine Stadtführung der Tourist-Info, die 2026 auch am Festsamstag und Festsonntag angeboten wurde.
Das Fest selbst hat mehrere Wurzeln. Ein Freischießen der Brettener Schützen ist seit dem 16. Jahrhundert überliefert, ein Schäfermarkt mit Wettlauf der Schäfer seit 1634. Die Statuten der Bürgerwehr von 1824 verbinden erstmals Freischießen, Volksfest und den Ausfall von 1504. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand das erste Fest vom 1. bis 3. Juli 1950 statt. Aus dem Festausschuss und einem Verein der Nähfrauen, die die Gewänder schneiderten, ging 1951 die Vereinigung Alt-Brettheim hervor, die das Fest seitdem gemeinsam mit der Stadt ausrichtet. Der Große Zapfenstreich kam 1952 dazu, der Schwartenmagenumzug am Montag 1953. Seit 2014 steht das Peter-und-Paul-Fest im Bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes.
So laufen die vier Tage ab
Das Programm 2027 steht noch nicht fest; 2026 erschien es in der zweiten Maihälfte auf der Programmseite des Fests. Der Ablauf ähnelt sich von Jahr zu Jahr. So sah er 2026 aus:
- Freitag: ökumenischer Gottesdienst auf dem Kirchplatz um 18 Uhr, um 19 Uhr die Festeröffnung mit allen Gruppen auf dem Marktplatz, danach Gaukler, Musik und Handwerk in den Gassen
- Samstag: ab dem Nachmittag Lagerleben, Schäferlauf am Marktbrunnen und Spielszenen aus der belagerten Stadt, um 19 Uhr die Schlacht um Brettheim in der Simmelturm-Arena, um 21.30 Uhr der Große Zapfenstreich und gegen 23 Uhr das Feuerwerk über der Innenstadt
- Sonntag: Platzkonzerte am Vormittag, von 14.30 bis 16 Uhr der historische Festzug, am späten Abend der Pestzug der Gramboler durch die Altstadt bis zum Simmelturm
- Montag: um 11 Uhr der Schwartenmagenumzug mit satirischer Chronik auf dem Marktplatz, am Nachmittag das Kinderfest „Vom Knappen zum Ritter“, abends Musik zum Ausklang
Im Festzug gehen vorneweg historische Bürgerwehren, 2026 unter anderem aus Ettlingen, Karlsruhe, Waldkirch und Weinheim, dann folgt das Brettheim von 1504 mit Vogt, Rat, Stadtwache, dem jungen Melanchthon und seiner Familie, Krämern, Gauklern und Fahrendem Volk. Danach kommen Landbevölkerung und Zünfte, zum Schluss die Verteidiger von 1504 mit Kurprinz Ludwig, Rittern und Landsknechten. 2026 führte der Weg von der Weißhofer Straße über den Marktplatz und die Melanchthonstraße durch Garten-, Friedens- und Bismarckstraße zurück zur Melanchthonstraße und zum Gottesackertor.
Dazwischen treten Gaukler, Spielleute und Musikgruppen auf festen Plätzen auf, etwa in der Bessergasse, der Lutherstraße und am Viehmarkt. In der Stiftskirche singt eine Schola gregorianische Stundengebete, in der Kreuzkirche gab es 2026 Renaissancemusik. Abends spielen Bands auf dem Marktplatz, und auf dem Kirchplatz wird zu mittelalterlicher Musik getanzt, 2026 an drei Abenden bis 2 oder 3 Uhr morgens. Tanzmeister zeigen die Schritte, mitmachen kann jeder.
Tickets und Preise
Das Festgelände umfasst die ganze Innenstadt und ist an allen vier Tagen nur mit Ticket zugänglich. Die Preise für 2027 stehen noch nicht fest. 2026 kostete an der Tageskasse ein Tagesticket 15 €, für Jugendliche von 7 bis 17 Jahren 10 € und für Familien 30 €. Das Festticket für alle vier Tage kostete 25 €, 15 € und 55 €. Im Vorverkauf bis 21. Juni 2026 waren die Tickets für Erwachsene und Familien günstiger, etwa das Tagesticket für 12 € und das Festticket für 20 €. Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt, ein Familienticket gilt für bis zu vier Kinder. Für die Schlacht am Samstagabend braucht man zusätzlich ein Ticket für 3 €.
Die Tickets verkauft die Vereinigung Alt-Brettheim online auf peter-und-paul.de ohne Vorverkaufsgebühr, zum Ausdrucken oder fürs Handy. Tagestickets gab es 2026 außerdem an vier Festkassen: am Seedamm, in der Luisenstraße, in der Weißhofer Straße und an der Stadtbahnhaltestelle Stadtmitte. Eine Brettener Eigenheit ist die Lederplakette, ein kleines Wappen aus Leder mit QR-Code, das an allen Festtagen als Eintritt gilt und 25 € kostet. Es gibt sie nur bei der Tourist-Info Bretten in der Melanchthonstraße 3, als Erstes im Weihnachtsvorverkauf. Auch die Tickets für 2027 gibt es erstmals in diesem Vorverkauf; wann er beginnt, steht noch nicht fest (Stand 05.10.2026). 2025 begann der Weihnachtsvorverkauf am 24. November.
Anreise mit Bahn und Bus
Mit Bahn und Bus kommst du am entspanntesten an, denn die Innenstadt ist während des Fests gesperrt und Parkplätze sind knapp. Am nächsten am Festgelände liegen zwei Halte:
- Bretten Stadtmitte: Stadtbahn S 4 zwischen Karlsruhe, Eppingen und Heilbronn und RE 45 zwischen Karlsruhe und Heilbronn, rund 100 Meter bis zum Festeingang Luisenstraße
- Bretten Rechberg: RB 71 aus Bruchsal und aus Mühlacker über Maulbronn West, Knittlingen-Kleinvillars und Ruit, rund 150 Meter bis zum selben Eingang
Vom Bahnhof Bretten, an dem alle Züge halten, sind es rund 750 Meter bis zum Eingang Gottesackertor. Von den S-4-Halten Schulzentrum und Wannenweg sind es 500 und 850 Meter bis zu den Eingängen Pforzheimer Straße und Weißhofer Straße (Stand 2026).
Zum Fest 2026 setzten AVG und Deutsche Bahn an den Festtagen zusätzliche Spätzüge ein: die S 4 Richtung Karlsruhe und Eppingen, die RB 71 nach Bruchsal und Mühlacker bis nach 3 Uhr morgens und späte Regionalexpresszüge nach Heilbronn. Viele Fahrten der S 4 hatten einen zusätzlichen Wagen. Der KVV verstärkte die Stadtbusse mit Fahrten bis in die Nacht, darunter die Linie 144 nach Oberderdingen, und die Linien 144 und 160 bis 164 waren von Freitag bis Montag für alle kostenlos. Weil die Innenstadt gesperrt ist, fuhren alle Buslinien in Bretten 2026 vom 1. bis 7. Juli Umleitungen, die Haltestellen Alte Post und Sporgasse entfielen. Die Zusatzfahrten 2026 wurden zwischen Mitte Juni und Anfang Juli bekanntgegeben; vor der Fahrt 2027 lohnt ein Blick auf die Festseite oder in die Fahrplanauskunft des KVV.
Mit dem Auto: Parken und Sperrungen
Bretten liegt an den Bundesstraßen 35, 293 und 294, die zu den Autobahnen A 5, A 6 und A 8 führen. Während des Fests ist die Innenstadt weiträumig gesperrt. 2026 galten die ersten Sperrungen in der Georg-Wörner-Straße und der Weißhofer Straße schon ab Mittwoch vor dem Fest, ab Freitag kamen Halteverbote und weitere Sperrungen dazu. Die Zufahrtssperren am Festgelände schlossen täglich mit Beginn der Einlasskontrollen und blieben bis etwa 4 Uhr nachts zu.
Ein Parkleitsystem führte 2026 zu Parkplätzen außerhalb der gesperrten Innenstadt: Carl-Benz-Straße, Pforzheimer Straße beim Hagebaumarkt, Ruiter Straße bei Neff, Silcherweg bei der Volksbank, Weißhofer Straße bei Sauter und Wilhelmstraße beim Raiffeisenmarkt, dazu die Tiefgarage Sporgasse, die nur über Engelsberg oder Apothekergasse erreichbar war. Die Parkplätze rund ums Rathaus standen nicht zur Verfügung. Behindertenparkplätze gab es in der Friedrichstraße (vier Plätze) und in der Hermann-Beuttenmüller-Straße 6 (neun Plätze), Motorradstellplätze an der Georg-Wörner-Straße bei der Withumanlage.
Am Festzugsonntag gilt auf der ganzen Zugstrecke ab 10 Uhr absolutes Halteverbot, falsch geparkte Autos werden abgeschleppt. Wegen des Feuerwerks waren 2026 am Samstag Postweg, Engelsberg und Apothekergasse von 22.30 bis etwa 0.30 Uhr gesperrt. Am besten stellst du das Auto an einem Stadtbahnhalt vor Bretten ab, wo es wenige Park-and-ride-Plätze gibt, und fährst mit der S 4 bis Stadtmitte. Park-and-ride gibt es auch am Bahnhof Bretten in der Bahnhofstraße.
Den Besuch verbinden
Das Melanchthonhaus steht an der Südseite des Marktplatzes mitten im Festgelände; wer es an einem Festtag besuchen will, prüft vorher die Öffnungszeiten beim Museum. Ruhiger lässt sich die Altstadt an einem anderen Wochenende erkunden, mit Pfeiferturm, Simmelturm und Marktbrunnen; mehr dazu steht auf der Seite zu Bretten. Ende September lädt der Brettener Weinmarkt auf den Marktplatz, 2026 vom 24. bis 28. September; Weingüter und Weinfeste der Region sammelt der Überblick Wein im Kraichgau.
Wie es auf der anderen Seite der Grenze von 1504 aussieht, zeigt der Nachbarort Knittlingen. Für einen zweiten Tag in der Region helfen Ausflugsziele im Kraichgau und, mit Kindern, Kraichgau mit Kindern.



