Welche Anlage zu wem passt
Die Anlagen unterscheiden sich weniger im Alter als darin, was du vor Ort tun kannst. So findest du die passende:
- Weite Aussicht: der Bergfried der Burg Steinsberg, bei klarer Sicht bis zum Königstuhl über Heidelberg und zum Stromberg, oder der Blaue Turm der Kaiserpfalz Bad Wimpfen mit Blick ins Neckartal.
- Mit Kindern: der Steinsberg mit Spielplatz unterhalb der Burg und dem Kinderburgführer „Entdecke die Burg Steinsberg“ für 4 €, die Klangwand im Musikautomaten-Museum in Bruchsal und die Rüstungen im Roten Turm in Bad Wimpfen.
- Architektur und Kunst: Schloss Bruchsal mit Treppenhaus und Rokoko-Festsälen, die staufischen Arkaden des Palas in Bad Wimpfen und das Renaissanceportal am Wasserschloss Bad Rappenau.
- Regentag: Schloss Bruchsal, weil Schlossräume und beide Museen drinnen liegen und das ganze Jahr geöffnet sind.
- Spaziergang ohne Eintritt: die Parks um Schloss Eichtersheim und das Wasserschloss Bad Rappenau, im Frühjahr mit blühender Magnolie in Eichtersheim und Rhododendren in Bad Rappenau.
- Wandern mit Einkehr: die Burg Ravensburg am Ende der Streckenwanderung EP4 von Eppingen oder unterwegs auf der Ravensburg-Tour SU1, der Steinsberg mit Burgschenke nach der Rundwanderung ab dem Bahnhof Sinsheim.
Türme mit Aussicht
Hinauf geht es auf den Bergfried am Steinsberg und auf die beiden Türme der Kaiserpfalz. Zwei weitere große Bergfriede siehst du nur von unten.
Der Bergfried auf dem Steinsberg ist 30 Meter hoch und achteckig, an seinen Buckelquadern sind noch die Zeichen der Steinmetze zu erkennen. Er steht auf einem erloschenen Vulkan, der mit 333 Metern als höchste Erhebung des Kraichgaus gilt; weil sie von weit her zu sehen ist, heißt die Burg auch Kompass des Kraichgaus. Eine Innentreppe führt nach oben, der Turm ist tagsüber offen und kostet nichts. Öffentliche Führungen gibt es von April bis Oktober etwa einmal im Monat, meist sonntags um 11 Uhr, der letzte Termin 2026 ist am 18. Oktober (Stand 28.09.2026).
In Bad Wimpfen stehen die beiden Bergfriede der Stauferpfalz rund 200 Meter auseinander, zu Fuß sind es rund 250 Meter. Der Blaue Turm ist 58 Meter hoch; seinen Aufsatz mit Ecktürmchen und blauem Schieferhelm bekam er nach einem Brand 1848. Er öffnet von Ostern bis Mitte Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, im Winterhalbjahr freitags bis sonntags und an Feiertagen. Der Rote Turm ist rund 23 Meter hoch, innen erklärt eine Ausstellung das Leben um 1200, oben liegt eine Plattform. Ihn besteigst du samstags, sonntags und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr, von Ostern bis zum zweiten Oktoberwochenende (Stand 28.09.2026).
Der Bergfried der Ravensburg, rund 30 Meter hoch und um 1220 gebaut, war zuletzt aus Sicherheitsgründen gesperrt (Stand 2022); ob er wieder offen ist, erfährst du beim Burgrestaurant. Über Heinsheim, einem Stadtteil von Bad Rappenau am Neckar, ragt der rund 50 Meter hohe Bergfried der Burg Ehrenberg auf. Die Burg ist bewohnter Privatbesitz.
Innenräume, Museen und Führungen
Viel zu sehen gibt es in Schloss Bruchsal, dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr, das ganze Jahr. Die Schlossführung beginnt um 12 und um 14 Uhr, die Führung im Musikautomaten-Museum um 11 und um 15 Uhr; beide dauern eine Stunde und lassen sich direkt hintereinander legen. Die Karte für 8 € gilt auch für das Museum der Stadt im dritten Obergeschoss, mit Schlossführung kostet sie 10 € (Stand 28.09.2026).
In Bad Wimpfen zeigt der Verein Alt Wimpfen zwei Museen in der Pfalz: das Historische Museum im romanischen Steinhaus mit einem Modell der ganzen Anlage und das Kirchenhistorische Museum in der früheren Pfalzkapelle. Beide öffnen von Ostern bis zum zweiten Oktoberwochenende dienstags bis sonntags vormittags und nachmittags; das Steinhaus kostet 4 €, die Kapelle 3 €.
Kleiner und nur sonntags offen ist das Graf-Eberstein-Schloss in Gochsheim, einem Stadtteil von Kraichtal. Es entstand zwischen 1520 und 1580; erhalten sind der Wendeltreppenturm, ein Portal mit dem Erbauerpaar in runden Medaillons und die Stuckdecke im Turmzimmer. Das Museum erzählt von der Kraichgauer Ritterschaft und den neun Kraichtaler Stadtteilen und zeigt Bilder des Malers Karl Hubbuch. Geöffnet ist von Februar bis November sonntags von 13 bis 18 Uhr, der Eintritt kostet 4 €, am ersten Sonntag im Monat beginnt um 14 Uhr eine offene Führung (Stand 28.09.2026).
Ohne Eintritt, aber nur an wenigen Tagen öffnen zwei Heimatmuseen in Schlössern. Das Museum im Alten Schloss von Neckarbischofsheim, dem Sitz der Herren von Helmstatt, hat in der Regel von April bis Oktober am ersten Sonntag im Monat von 15.30 bis 17 Uhr offen; bei der Restaurierung 1976 bis 1978 kamen im Innern Wandmalereien zutage. Das Winzermuseum im Schloss von Rauenberg öffnet am ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr, nicht an Feiertagen.
Das Wasserschloss Bad Rappenau hat keine festen Öffnungszeiten. Hinein kommst du bei Ausstellungen, Konzerten und Kindertheater der städtischen Reihe „Kunst und Kultur im Schloss“ oder bei der Stadtführung „Auf Schusters Rappen“ an einzelnen Samstagen um 9.30 Uhr, die im Schloss Station macht (7 €, mit Gästekarte 6 €). Schloss Eichtersheim ist Rathaus; zu den Zeiten der Verwaltung kommst du hinein, gelegentlich zeigt die Gemeinde dort Kunstausstellungen.
Schlossparks und Burggelände ohne Eintritt
Wer draußen bleiben will, braucht keine Karte. Der Park um Schloss Eichtersheim ist ein Landschaftsgarten von 6,75 Hektar mit mehr als 40 dokumentierten Baumarten; fünf Bäume aus Angelbachtal stehen in der Liste der Rekordbäume der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. Tafeln eines Baumrundgangs erklären die Raritäten, zwischen den Wiesen stehen Großplastiken von Jürgen Goertz. Hunde gehören an die Leine, Grillen und Bootfahren sind verboten.
Am Wasserschloss Bad Rappenau zieht sich der Schlosspark am Mühlbach entlang Richtung Innenstadt, mit Bäumen, die älter als 160 Jahre sind, einem Arboretum aus der Landesgartenschau 2008 und einem Kneippbecken. Der Bruchsaler Schlossgarten ist von Sonnenaufgang bis zur Dunkelheit offen, längstens bis 22 Uhr; Picknick und Grillen erlaubt die Gartenordnung dort nicht, Hunde nur an der kurzen Leine. In Neckarbischofsheim liegt der Schlosspark mit Teich, Altem Schloss und einem Renaissance-Tor von 1590 mitten in der Stadt.
Frei zugänglich sind auch das Gelände der Burg Steinsberg, jederzeit, und das Burgviertel der Kaiserpfalz, in dem bis heute gewohnt wird. In Daisbach, einem Stadtteil von Waibstadt, steht in einem kleinen Park mit Weiher die Ruine einer Wasserburg, die Karl Eberhard Göler von Ravensburg ab 1730 zum Schlösschen umbauen wollte; mit seinem Tod 1732 blieb der Bau liegen. Erhalten sind Außenmauern bis zum ersten Stock, ein runder Treppenturm und der Gewölbekeller. Die Stadt besitzt die Ruine seit 1983, Freiwillige sichern das Mauerwerk seit 1991.
Privatbesitz: nur von außen zu sehen
Viele Burgen und Schlösser gehören bis heute Adelsfamilien oder dienen als Bildungszentrum und Gruppenhaus. Betreten kannst du sie nicht, ein Blick von der Straße oder vom Weg lohnt trotzdem:
- Burg Neidenstein: Die Burg über dem Ort Neidenstein ist seit 1319 als Lehen der Herren von Venningen belegt, gehört der Familie bis heute und ist bewohnt. Das Burgdorfmuseum in einem Fachwerkhaus der Vorburg öffnet nach Absprache mit dem Heimatverein.
- Burg Ehrenberg bei Heinsheim: rund 50 Meter hoher Bergfried über dem Neckar; die Vorburg bewohnt die Familie von Racknitz, eine Besichtigung ist nicht möglich.
- Wasserschlossruine Menzingen in Kraichtal: Renaissanceschloss der Herren von Mentzingen, im April 1945 zerstört. Ruine und Gelände sind privat, Besucher werden geduldet; einen guten Blick hast du von der Sitzgruppe mit Infotafel außerhalb des geschlossenen Bereichs.
- Schloss Flehingen in Oberderdingen: Renaissancebau um 1565 mit Ecktürmen am Zusammenfluss von Kraich und Kohlbach, heute Bildungszentrum mit Fachschulen.
- Schloss Rotenberg in Rauenberg: über dem kleinen Ortskern, 1921/22 fast ganz neu aufgebaut, vom Renaissance-Schloss blieb das Portal; heute Jugendburg für Gruppen.
- Schloss Schwaigern: Sitz der Grafen von Neipperg neben der Stadtkirche, bewohnt, auch der Schlossgarten ist nicht zugänglich.
- Burg Obergrombach in Bruchsal: privat, zu sehen beim Burgfest, das alle zwei Jahre stattfindet.
In Oberderdingen lohnt der Amthof, der befestigte Pfleghof des Klosters Herrenalb mit Ringmauer und Hexenturm. Durch das Tor kommst du in den Hof, in dem auch das Rathaus sitzt; öffentliche Führungen beginnen am ersten Sonntag im Monat um 14.30 Uhr an der Stadtinfo. Burg Guttenberg und Burg Hornberg stehen schon im Neckartal außerhalb unseres Gebiets.
Warum im Kraichgau so viele Adelssitze stehen
Neben der Kurpfalz, Württemberg, Baden und dem Bischof von Speyer teilten sich zahlreiche Ritterfamilien das Land, darunter die Gemmingen, Neipperg, Helmstatt, Venningen und Göler von Ravensburg. Sie hielten Dörfer und Güter als Lehen, schlossen sich 1542 im Ritterkanton Kraichgau zusammen, dessen Kanzlei ab 1619 in Heilbronn saß, und blieben bis 1806 reichsunmittelbar. Jede dieser kleinen Herrschaften brauchte einen Sitz. Deshalb steht in vielen Dörfern eine Burg, ein Wasserschloss oder ein Herrenhaus.
Die Bauten folgen der Landschaft. Auf Kuppen stehen die Burgen des Hochmittelalters mit ihren Bergfrieden, der Steinsberg und die Ravensburg, über dem Neckar die Pfalz der Staufer in Wimpfen. In den feuchten Tälern entstanden Wasserburgen, aus denen im 16. und frühen 17. Jahrhundert Renaissanceschlösser wurden: Menzingen nach dem Bauernkrieg von 1529 bis 1539, Flehingen um 1565, Bad Rappenau ab 1601. In Bad Rappenau stehen die Mauern auf Eichenpfählen, die dauerhaft unter Wasser bleiben müssen; deshalb blieb ein Graben, als der Schlosssee 1904 trockengelegt wurde. Die Fürstbischöfe von Speyer bauten ihre Barockresidenz ab 1722 am Westrand des Hügellands in Bruchsal.
Weil viele Familien ihre Sitze bis heute besitzen oder bewohnen, sind so viele Anlagen nur von außen zu sehen: die Venningen in Neidenstein, die Mentzingen in Menzingen, die Neipperg in Schwaigern, die Racknitz auf dem Ehrenberg. Was heute offen ist, gehört meist Städten und Gemeinden. Bad Rappenau kaufte das Wasserschloss 1956, Eichtersheim sein Schloss 1963, Sinsheim die Burg Steinsberg 1973. In Neckarbischofsheim kam das Alte Schloss 1975 an die Stadt, nachdem die dortige Linie der Helmstatt ausgestorben war.
