Wie Hohlwege im Löss entstanden sind
Am Anfang steht ein gewöhnlicher Weg: eine Verbindung ins Nachbardorf oder eine Zufahrt zu Äckern und Weinbergen. Solange er unbefestigt war, zermahlten Wagenräder, die Hufe der Zugtiere und das Vieh die oberste Schicht zu feinem Staub. Beim nächsten Starkregen spülte das Wasser diesen Staub hangabwärts. Der Regen war dabei vor allem das Transportmittel, die eigentliche Arbeit leisteten die Fuhrwerke, besonders beim Bremsen auf steilen Abfahrten. So vertiefte sich die Wegrinne Jahr für Jahr, bis sie auf festes Gestein traf oder der Weg einen Belag bekam.
Dass die Wände dabei stehen bleiben, liegt am Löss selbst. Seine feinen Körner bestehen großteils aus Quarz und sind durch Kalk verkittet. Eine frische Lösswand kann deshalb über Jahrzehnte senkrecht stehen, zerfällt aber zu Pulver, sobald Räder die innere Struktur aufbrechen.
Junge Hohlwege sind U-förmig, mit senkrechten, kahlen Wänden. Hört die Erosion auf, rutschen die Kanten nach, Gebüsch und Bäume wachsen ein, und aus der Schlucht wird nach und nach ein V-förmiger, schattiger Einschnitt. Die meisten Hohlen, durch die man heute wandert, sind solche alten, zugewachsenen Wege. Offene, senkrechte Wände bleiben oft nur dort, wo sie bei der Pflege freigelegt werden.
Warum der Kraichgau so viele Hohlwege hat
Drei Dinge kommen hier zusammen. Der Boden: In den Kaltzeiten blies der Wind feinen Gesteinsstaub aus und lagerte ihn in der Beckenlandschaft zwischen Odenwald und Schwarzwald ab. Der Kraichgau ist fast flächendeckend mit Löss bedeckt, verbreitet gut 20 Meter dick. Das Relief: Das Hügelland ist stark gegliedert, viele Feldwege führen steile Hänge hinauf, und die Lössböden gelten als sehr erosionsanfällig. Die Nutzung: Die Lössböden gehören zu den besten Böden des Landes und werden seit langer Zeit beackert. Auf Ortsverbindungen und Wegen zu den Gewannen waren Bauern mit Ochsen- und Pferdekarren unterwegs.
In Baden-Württemberg findet man ausgeprägte Lösshohlwege deshalb vor allem hier und am Kaiserstuhl. Erhalten ist nur ein Teil. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Hohlwege verfüllt oder befestigt, vor allem bei Flurbereinigungen, manche dienten als Müllkippe. Die Rennweghohle bei Zeutern lag zu einem Drittel unter Müll und Bauschutt, bevor sie in den 1990er-Jahren mit Naturschutzmitteln saniert wurde. Die verbliebenen Hohlen sind zusammen mit den Stufenrainen, die beim Pflügen am Hang zwischen den Ackerterrassen entstanden, Zeugen der alten Landwirtschaft.
Wie alt die Hohlen sind
Ein Baujahr hat kein Hohlweg. Die meisten entstanden über Jahrhunderte, solange Wege unbefestigt waren und mit Fuhrwerken befahren wurden. Im 18. und 19. Jahrhundert konnten sich junge Hohlwege an steilen Stellen um bis zu einen Meter im Jahr vertiefen, manche noch Anfang des 20. Jahrhunderts. Erst als die Sohlen betoniert oder asphaltiert wurden, kam die Erosion zum Stillstand. Neue Hohlwege entstehen seitdem nicht mehr.
Für einzelne Hohlen bleibt das Alter unklar, bei der Weißen Hohl in Nußloch etwa. Viel älter ist das Material, in das sie schneiden. Der Löss stammt aus den Kaltzeiten des Eiszeitalters, und wo die Wände offen liegen, zeigen braune Bänder fossile Böden, die sich in den wärmeren Abschnitten dazwischen gebildet haben.
Leben an der Lösswand
Eine Hohle ist ein Mosaik auf engstem Raum: sonnige, heiße Steilwände neben feuchten, schattigen Überhängen, Gebüsch an den Flanken und Magerrasen an der Oberkante. Am wertvollsten sind besonnte, steile Wände mit offenem Löss.
Dort nisten Wildbienen und Wespen, ihre Nester verraten sich durch Bohrlöcher in allen Größen. Viele Arten brauchen Löss als Brutplatz, etwa die Lösswand-Schmalbiene oder die Schornsteinwespe, die kleine Röhren wie Wasserhähne aus der Wand über ihre Nesteingänge baut. In deren Nestern wachsen wiederum die Larven der metallisch glänzenden Lössgoldwespe heran. Im heutigen Naturschutzgebiet Beim Roten Kreuz bei Zeutern wies eine Untersuchung von 1981 an den Lössböschungen 106 Arten solcher Stechimmen nach, acht davon damals bundesweit gefährdet. Ursprünglich lebten viele dieser Steilwandbewohner an den Uferabbrüchen wilder Flüsse, Hohlwege sind für sie zum Ersatz geworden.
Auch größere Tiere nutzen die Böschungen. Dachs, Fuchs, Steinmarder und Kaninchen finden dort Unterschlupf, an der Galgenhohle sind Dachsbaue zu sehen, und Bachstelzen, Sperlinge und Schwalben brüten in vorhandenen Löchern. An offenen, heißen Wänden wachsen seltene Lössmoose und Flechten, dazu eine eigene Pflanzengesellschaft mit dem graugrünen Feldbeifuß, die sonst auf den Kalksanden der Rheinebene vorkommt. Je dichter Gebüsch und Robinien die Wände beschatten, desto artenärmer wird die Hohle. Deshalb werden Böschungen in Schutzgebieten von Zeit zu Zeit freigelegt.
Geschützte Biotope: Was das für deinen Besuch heißt
Hohlwege in der freien Landschaft sind in Baden-Württemberg gesetzlich geschützte Biotope, sobald sie mindestens einen Meter tief sind und ihre Böschung an der steilsten Stelle 45 Grad erreicht. Das regelt § 33 des Naturschutzgesetzes, geschützt ist auch ein ungenutzter Streifen an der Oberkante. Lehm- und Lösswände nennt bereits § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes. Verboten ist alles, was diese Biotope zerstören oder erheblich beeinträchtigen kann. Viele Hohlen liegen zusätzlich in einem Naturschutzgebiet, etwa die Galgenhohle im Gebiet Kleiner Kraichbach, oder sind als Naturdenkmal ausgewiesen wie die Kreuzhohle bei Bruchsal. Welche Hohlwege als Biotop erfasst sind, zeigt die Landesanstalt für Umwelt in ihren Karten der geschützten Biotope.
Für deinen Besuch folgt daraus:
- Auf dem Weg bleiben. In den Naturschutzgebieten Kleiner Kraichbach und Beim Roten Kreuz ist das Verlassen der Wege verboten, in der Galgenhohle gilt: nur auf dem Trampelpfad gehen.
- Nicht an den Wänden klettern. Das kann Nester zerstören und ist gefährlich, weil nach regenreichen Tagen das Wurzelwerk der Bäume an der Kante gelockert sein kann.
- Nicht graben und nicht in Nistlöcher stochern. Brutstätten wildlebender Tiere zu beschädigen und Pflanzen zu entnehmen, ist in den Schutzgebieten verboten.
- Hunde an die Leine. Im Naturschutzgebiet Kleiner Kraichbach ist das Pflicht, Reiten ist dort verboten, Fahrräder ohne Hilfsmotor dürfen die Wege befahren.
- Feuer nur an eingerichteten Feuerstellen.
- Festes Schuhwerk tragen. Nach Regen können die Hohlwege sehr rutschig sein, und Teile der Pfade sind uneben.
Welche Runde zu wem passt
Die sechs Ziele oben unterscheiden sich stärker, als die ähnlichen Namen vermuten lassen. So findest du die passende Runde:
- Mit Kindern: Der Lehrpfad in Zeutern ist mit rund 4 Kilometern kurz und hat eigene Tafeln für Kinder. Die K1 zur Galgenhohle ist mit 7 Kilometern länger, hat aber Kneippanlage, Waldspielplatz und Sternwarte am Weg.
- Ohne Auto: In Odenheim beginnt der Hügelweg direkt am Bahnhof der S 31, in Zeutern führt der Weg vom Bahnhof durch den Ortskern zum Start. Zur Galgenhohle kommen ab dem Halt Oberöwisheim der S 32 rund drei Kilometer Fußweg dazu.
- Für Geologie: Die Weiße Hohl zeigt Löss aus drei Eiszeiten im Profil, die GEOpfade in Östringen erklären an Tafeln Gesteine, Böden und Landschaftsgeschichte.
- Für einen langen Wandertag: der Hohlenpfad Tairnbach mit rund 14 und der Hügelweg ab Odenheim mit rund 20 Kilometern.
- Ohne größere Steigungen: die Runde BR7 über den Rotenberg bei Bruchsal, gut zur Hälfte asphaltiert.
Rund um Oberöwisheim lassen sich Galgenhohle, Pfannwaldsee und Sternwarte an einem Nachmittag verbinden, mehr dazu auf der Seite zu Kraichtal. Die Galgenhohle steht auch unter unseren Geheimtipps im Kraichgau. Längere Touren durch das Hügelland sammelt der Artikel Wandern im Kraichgau, und wie der Löss die ganze Landschaft prägt, erklärt der Überblick Der Kraichgau.
