Spätgotisch gestaltetes Portal aus rotem Sandstein am Melanchthonhaus in Bretten mit schmiedeeisern beschlagener Holztür und dem Schild „Melanchthon Museum“, davor das Pflaster des Marktplatzes.
Kultur

Melanchthonhaus Bretten

Bretten

Bildnachweis

Werner Schüle, CC0 1.0

Über dieses Ziel

Fresken, sieben Reformatorenstatuen und 121 Städtewappen: Das Gedächtnishaus am Brettener Marktplatz steht an der Stelle von Melanchthons Geburtshaus und ist in gut einer Stunde erkundet.

Was dich im Melanchthonhaus erwartet

Philipp Melanchthon kam am 16. Februar 1497 in Bretten zur Welt, im Haus seines Großvaters Johann Reuter am Marktplatz. Eigentlich hieß er Philipp Schwartzerdt, Melanchthon ist die griechische Form des Namens. Nach dem Studium in Heidelberg und Tübingen lehrte er ab 1518 Griechisch in Wittenberg und gestaltete dort an Martin Luthers Seite die Reformation mit. Von ihm stammen die Loci communes von 1521, eine evangelische Glaubenslehre, und das Augsburger Bekenntnis von 1530. Seine Schriften zu Glauben und Unterricht brachten ihm den Beinamen Praeceptor Germaniae ein, Lehrer Deutschlands. Er starb 1560 in Wittenberg.

Das Geburtshaus brannte 1689 ab, als französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Stadt anzündeten. Das Doppelhaus, das ab 1705 an seiner Stelle entstand, wurde 1896 abgerissen. Den Neubau betrieb der Berliner Kirchenhistoriker Nikolaus Müller, der den badischen Großherzog Friedrich I. als Schirmherrn gewann. Der Grundstein wurde am 16. Februar 1897 gelegt, zum 400. Geburtstag Melanchthons, eröffnet wurde das Haus im Herbst 1903. Den ersten Entwurf lieferte der Berliner Architekt Johannes Vollmer, die Fassade zeichnete Müller schließlich selbst. Die Bauleitung hatte Hermann Billing, ab 1900 Wilhelm Jung.

Die Schauseite aus rotem Sandstein zeigt nach Norden zum Marktplatz, gleich neben dem Alten Rathaus. Zwei spätgotisch gestaltete Portale, ein Balkon mit den Wappen von Bretten, Pforzheim, Heidelberg, Tübingen und Wittenberg als Stationen seines Lebens und ein hoher Giebel mit einem Christusbild prägen sie. Ausstattung und Räume sind seit der Eröffnung weitgehend unverändert, das Haus ist ein geschlossenes Werk des späten Historismus.

Im Erdgeschoss nimmt die Gedächtnishalle fast die ganze Fläche ein. Zwei Rundpfeiler tragen ein Kreuzrippengewölbe, in der Apsis steht ein Altar, deshalb finden hier auch Gottesdienste, Konzerte und Vorträge statt. Überlebensgroße Statuen aus dem Eröffnungsjahr zeigen Melanchthon mit Luther, Justus Jonas, Johannes Bugenhagen, Johannes Brenz, Martin Bucer und Johannes Calvin. Melanchthon steht mit einem Fuß auf zwei Büchern, der Bibel und der Ethik des Aristoteles. Die Wandbilder malte der Karlsruher Kunstprofessor August Groh erst nach dem Ersten Weltkrieg. Eines zeigt den jungen Philipp am Marktbrunnen im Gespräch mit fahrenden Schülern, der Brunnen steht bis heute wenige Schritte vor der Tür. Ein anderes zeigt die Übergabe des Augsburger Bekenntnisses an Kaiser Karl V. Die farbigen Chorfenster zerbarsten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und wurden 1997 nach den alten Entwürfen von Fritz Geiges neu angefertigt.

Im Obergeschoss liegen vier Themenräume mit Vertäfelungen, Wandmalereien und Zitaten Melanchthons. Im Städtezimmer bedecken 121 Wappen Decke und Wände, jedes steht für eine Stadt, mit der Melanchthon nachweislich Briefe wechselte, von Reval, dem heutigen Tallinn, bis Venedig. In den Vitrinen liegen Luthers Septembertestament von 1522 und die Mitschrift eines Studenten aus Luthers Vorlesung über den Galaterbrief von 1516/17. Dazu kommt ein Doppelbildnis von Luther und Katharina von Bora mit dem Zeichen der Cranach-Werkstatt und der Jahreszahl 1529. Die Decke des Theologenzimmers ist der Decke von Melanchthons Studierzimmer in Wittenberg nachgebildet, das Humanistenzimmer stellt Zeitgenossen wie Johannes Reuchlin und Erasmus von Rotterdam vor, und im Fürstenzimmer hängen elf Bildnisse von Landesherren, die die Reformation stützten.

In den Schränken des Städtezimmers steht ein großer Teil der Bibliothek, einer Fachbibliothek zur Reformation mit mehr als 10.000 Bänden. Sie dient der Forschung und kann nach Anmeldung vor Ort genutzt werden. Seit 2004 hat im Haus auch die Europäische Melanchthon-Akademie ihren Sitz, die Vorträge und Ausstellungen ausrichtet.

Besuch planen

Das Museum öffnet nur in der Saison: 2026 vom 24. Februar bis zum 29. November, dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr. Montags ist geschlossen; fällt ein Feiertag auf einen Montag, gelten die Zeiten vom Wochenende. Vom 1. Dezember 2026 bis zum 22. Februar 2027 macht das Haus Winterpause (Stand 25.09.2026). Unter der Woche bleibt also nur der Nachmittag. Prüfe die Zeiten vor der Fahrt beim Museum.

Der Eintritt kostet 3 €, für Schüler und Studierende 1,50 €, Kinder unter 10 Jahren sind frei. Mit dem Museums-PASS-Musées kommst du ohne Eintritt hinein (Stand 25.09.2026).

Führungen gibt es für Gruppen ab fünf Personen, ganzjährig und auch außerhalb der Öffnungszeiten. Gebucht wird bei der Tourist-Info Bretten im Nachbarhaus, Melanchthonstraße 3, mindestens fünf Werktage vor dem Termin. Eine Führung dauert rund 75 Minuten und kostet mit Eintritt 5 €, für Schüler und Studierende 2 €, in Gruppen ab 20 Personen 3 € pro Person (Stand 25.09.2026).

Wer allein oder zu zweit kommt, leiht einen Audioguide für 2 € plus Pfand. Er hat 57 Stationen mit zusammen rund zwei Stunden Hörtext, farbig sortiert nach Baugeschichte, Reformation, Humanismus und Melanchthons Leben, sodass du dir eine eigene Runde zusammenstellst. Dieselben Texte stehen auf der Website des Museums, dort gibt es auch eine Kurzführung in 15 Sprachen und einen virtuellen Rundgang.

Für Gedächtnishalle und Obergeschoss reicht eine gute Stunde, mit Audioguide und einem genauen Blick auf die Fassade darf es mehr sein. Weil alles drinnen liegt, taugt der Besuch auch für einen Regentag. Die vier Themenräume liegen im Obergeschoss. Wenn du einen Aufzug oder stufenlosen Zugang brauchst, frag vorher unter 07252 9441-0 nach.

Lage und Anreise

Das Haus steht an der Südseite des dreieckigen Marktplatzes, direkt neben dem Alten Rathaus und mitten in der Fußgängerzone. Fürs Navi gilt Melanchthonstraße 1, 75015 Bretten.

Mit der Bahn liegt die Haltestelle Bretten Stadtmitte am nächsten. Dort halten die Stadtbahn S 4 zwischen Karlsruhe, Eppingen und Heilbronn und der RE 45 zwischen Karlsruhe und Heilbronn. Ab Eppingen dauert die Fahrt mit dem RE 45 rund 20 Minuten, mit der S 4 knapp eine halbe Stunde, ab Karlsruhe Hauptbahnhof mit dem RE 45 rund 25 Minuten. Von Stadtmitte gehst du rund 600 Meter bis zum Marktplatz. Die Regionalzüge aus Bruchsal und Mühlacker halten am Bahnhof Bretten, ab Bruchsal sind sie 12 bis 21 Minuten unterwegs. Vom Bahnhof ist es gut ein Kilometer zu Fuß, oder du nimmst einen Stadtbus bis zur Haltestelle Sporgasse, rund 120 Meter vom Haus. Dort hält auch der Regionalbus 733 aus Pforzheim (Stand Fahrplan 25.09.2026).

Mit dem Auto führt die A5 über die Ausfahrt Bruchsal und die B 35 in rund 20 Kilometern nach Bretten, von der A8 geht es über die Ausfahrt Pforzheim-Nord und die B 294. Ab Eppingen sind es rund 21 Kilometer. Am nächsten parkst du im Parkhaus Engelsberg, von dort sind es rund 100 Meter zum Marktplatz. Es hat von 7 bis 2 Uhr geöffnet; zwischen 7 und 19 Uhr ist die erste Stunde frei, danach kostet jede angefangene Stunde 1 €, höchstens 6 € am Tag; wer erst nach 19 Uhr ausfährt, zahlt 1,50 € Nachttarif dazu. Zum selben Tarif parkst du in der Tiefgarage Pfluggasse und im Parkhaus Löwenhof am Seedamm, jeweils rund 300 Meter entfernt (Stand 02.10.2026). Auf dem Parkplatz Seedamm gibt es außerdem zwei kostenlose Stellplätze für Wohnmobile, ohne Ver- und Entsorgung.

Kombinieren

Die Altstadt rund um das Haus lässt sich zu Fuß erkunden. Auf dem Marktplatz stehen Fachwerkhäuser und der Marktbrunnen, dessen Säule die Jahreszahl 1555 trägt. Rund 100 Meter nördlich steht der Pfeiferturm, ein Wehrturm aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, der seit 2009 wieder ein Dach hat und bei Führungen bestiegen werden kann. Gut 450 Meter südöstlich steht der Simmelturm aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, einst die Südostecke der Stadtbefestigung, mit steinernen Fratzen im oberen Teil. Im Schweizer Hof, rund 150 Meter entfernt, zeigen das Museum der Stadt und das Deutsche Schutzengel-Museum ihre Sammlungen. Mehr zur Stadt steht auf der Seite zu Bretten.

Im Advent steht vor dem Haus der Weihnachtsmarkt mit Eisbahn, 2026 vom 25. November bis 20. Dezember. Markt und Museum lassen sich nur bis Sonntag, 29. November, verbinden, danach beginnt die Winterpause des Hauses.

Am ersten Juliwochenende wird die Altstadt beim Peter-und-Paul-Fest zur Bühne, 2027 vom 2. bis 5. Juli. Das Fest erinnert an die Belagerung Brettens durch Herzog Ulrich von Württemberg im Jahr 1504, die der siebenjährige Philipp miterlebte und die sein Bruder Georg Schwartzerdt später beschrieb.

Für einen Tag mit zwei Zielen passt Schloss Bruchsal mit dem Musikautomaten-Museum. Der Regionalzug braucht 12 bis 21 Minuten nach Bruchsal, mit dem Auto sind es über die B 35 rund 17 Kilometer. Das Schloss öffnet um 10 Uhr, das Melanchthonhaus unter der Woche erst um 14 Uhr: Vormittags Bruchsal, nachmittags Bretten ergibt einen ruhigen Tag. Montags haben beide geschlossen.

Stand: 5. Oktober 2026

Häufige Fragen

Wann hat das Melanchthonhaus in Bretten geöffnet?

In der Saison 2026 vom 24. Februar bis 29. November dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr. Montags ist geschlossen, an einem Feiertag am Montag gelten die Zeiten vom Wochenende. Vom 1. Dezember 2026 bis 22. Februar 2027 ist das Haus für Einzelgäste geschlossen, Gruppenführungen sind aber ganzjährig möglich (Stand 25.09.2026).

Was kostet der Eintritt ins Melanchthonhaus?

Erwachsene zahlen 3 €, Schüler und Studierende 1,50 €, Kinder unter 10 Jahren haben freien Eintritt. Eine Führung kostet mit Eintritt 5 €, ermäßigt 2 €, in Gruppen ab 20 Personen 3 € pro Person. Der Audioguide kostet 2 € Leihgebühr plus Pfand. Mit dem Museums-PASS-Musées ist der Eintritt frei (Stand 25.09.2026).

Kann man das Melanchthonhaus mit Führung besichtigen?

Ja, als Gruppe ab fünf Personen. Die Führung dauert rund 75 Minuten und wird bei der Tourist-Info Bretten gebucht, Melanchthonstraße 3, Telefon 07252 58371-0, mindestens fünf Werktage vor dem Termin. Sie ist auch außerhalb der Öffnungszeiten und in der Winterpause möglich. Einzelgäste nutzen den Audioguide mit 57 Stationen, dessen Texte auch auf der Website des Museums stehen.

Ist Melanchthon im Melanchthonhaus geboren?

Nicht im heutigen Gebäude, aber an derselben Stelle. Melanchthon kam 1497 im Haus seines Großvaters Johann Reuter am Marktplatz zur Welt. Dieses Haus brannte 1689 ab, als französische Truppen Bretten niederbrannten. Ein Nachfolgebau von 1705 wurde 1896 abgerissen, danach entstand von 1897 bis 1903 das heutige Gedächtnishaus als Museum.

Wo parkt man am besten für das Melanchthonhaus?

Im Parkhaus Engelsberg, rund 100 Meter vom Marktplatz. Zwischen 7 und 19 Uhr ist die erste Stunde kostenlos, danach kostet jede angefangene Stunde 1 €, höchstens 6 € am Tag, bei Ausfahrt nach 19 Uhr 7,50 € (Stand 02.10.2026). Ist es voll, weichst du in die Tiefgarage Pfluggasse oder das Parkhaus Löwenhof am Seedamm aus, beide rund 300 Meter entfernt und zum selben Tarif.

Wie kommt man mit der Bahn zum Melanchthonhaus?

Am nächsten liegt die Haltestelle Bretten Stadtmitte, an der die S 4 und der RE 45 aus Karlsruhe, Eppingen und Heilbronn halten; von dort sind es rund 600 Meter zu Fuß. Aus Bruchsal und Mühlacker fahren Regionalzüge zum Bahnhof Bretten. Von dort läufst du gut einen Kilometer oder fährst mit dem Stadtbus bis zur Haltestelle Sporgasse, rund 120 Meter vom Haus (Stand Fahrplan 25.09.2026).

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