Maßstab ist der Naturraum Kraichgau: Liegt mindestens die Hälfte einer Gemeinde darin, steht sie auf der Liste, Randgemeinden nur mit ausdrücklichem Kraichgau-Bezug. Die größte Stadt ist Bruchsal, die kleinste Neckarbischofsheim.
Wo der Kraichgau beginnt und endet
Der Kraichgau ist ein Hügelland im Nordwesten Baden-Württembergs, eingefasst vom Odenwald im Norden, vom Schwarzwald im Süden und von der Oberrheinebene im Westen. Im Osten trennen ihn die Höhenzüge von Stromberg und Heuchelberg vom Zabergäu, im Nordosten reicht er bis an den Neckar, im Südosten bis an die Enz. Auf den rund 1.630 Quadratkilometern liegt fast überall Löss, verbreitet gut 20 Meter dick. Die höchste Erhebung ist mit 333 Metern der Burgberg der Burg Steinsberg bei Sinsheim-Weiler; ihr Bergfried heißt auch Kompass des Kraichgaus.
Dass die Grenzen unscharf wirken, hat mit dem Namen zu tun. Er kommt vom Kraichbach, der bei Sternenfels entspringt und bei Ketsch in den Rhein mündet, und meinte ursprünglich nur dessen Einzugsgebiet. Mitte des 19. Jahrhunderts stand er nur noch für die Gegend um Bruchsal; für das ganze Hügelland zwischen Neckar, Enz und Rhein verwendeten ihn Geografen erst ab etwa 1900 wieder. Durchgesetzt hat sich das langsam: In der Schulgeographie der 1920er-Jahre hieß das Gebiet noch Enz-, Pfinz- und Kraichgauer Hügelland. Mehr zu Landschaft und Geschichte steht im Überblick Der Kraichgau.
Wie unsere Liste entsteht
Weil die Grenze der Landschaft quer durch Gemarkungen läuft, nehmen wir immer ganze Gemeinden auf und prüfen drei Bedingungen. Eine Gemeinde gehört dazu, wenn mindestens die Hälfte ihrer Fläche im Naturraum Kraichgau liegt, der in der naturräumlichen Gliederung Deutschlands als Haupteinheit 125 geführt wird. Liegt nur ein Viertel bis die Hälfte darin, zählt sie, wenn sie sich ausdrücklich dem Kraichgau zuordnet: in der eigenen Darstellung oder als Mitglied im Tourismusverband Kraichgau-Stromberg. Außerdem gehört jede Gemeinde dazu, die ganz oder mit einzelnen Ortsteilen im Fördergebiet der LEADER-Aktionsgruppe Kraichgau liegt. LEADER ist ein Förderprogramm der EU für ländliche Räume; das Aktionsgebiet umfasst 22 Städte und Gemeinden, alle auf unserer Liste.
Die Flächenanteile haben wir selbst berechnet, aus den Naturraumgrenzen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) und den Gemeindegrenzen des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie. Beide Karten sind vereinfacht, die Werte können deshalb um einige Prozentpunkte abweichen. 30 der 61 Gemeinden liegen vollständig im Naturraum.
Der Tourismusverband allein taugt nicht als Maßstab. Er wirbt für Kraichgau und Stromberg gemeinsam als Land der 1000 Hügel: Von seinen 38 Mitgliedsgemeinden liegen 19 in unserem Gebiet, die übrigen im Stromberg, im Zabergäu und im Neckarbecken, 14 davon im Landkreis Ludwigsburg. Umgekehrt sind Sinsheim und Bad Rappenau keine Mitglieder, obwohl sie ganz oder fast ganz im Naturraum liegen.
Die 16 Städte
Die Städte reichen von Bruchsal mit 47.578 Einwohnern bis Neckarbischofsheim mit 4.205. Sechs von ihnen haben mehr als 20.000 Einwohner. Zusammen leben in den 16 Städten 286.173 Menschen, gut die Hälfte der Einwohner aller 61 Gemeinden. Jüngste Stadt ist Oberderdingen, das im November 2023 das Stadtrecht erhielt. Das Stadtrecht sagt dabei wenig über die Größe: Pfinztal ist mit 18.291 Einwohnern die größte Gemeinde ohne Stadtrecht und größer als zehn der Städte.
Nicht jede Stadt liegt vollständig im Naturraum. Bruchsal reicht zu 41 Prozent in die Hardtebenen der Rheinebene, die Kernstadt steht an deren Rand. Bei Eppingen gehören 27 Prozent der Fläche zur Eppinger Hardt, die naturräumlich zu Stromberg und Heuchelberg zählt. Sinsheim und Bretten liegen dagegen vollständig im Naturraum.
| Stadt | Landkreis | Einwohner | Anteil im Naturraum |
|---|---|---|---|
| Bruchsal | Landkreis Karlsruhe | 47.578 | 59 % |
| Sinsheim | Rhein-Neckar-Kreis | 37.105 | 100 % |
| Bretten | Landkreis Karlsruhe | 30.312 | 100 % |
| Wiesloch | Rhein-Neckar-Kreis | 27.911 | 80 % |
| Eppingen | Landkreis Heilbronn | 22.796 | 73 % |
| Bad Rappenau | Landkreis Heilbronn | 22.728 | 96 % |
| Kraichtal | Landkreis Karlsruhe | 14.546 | 100 % |
| Östringen | Landkreis Karlsruhe | 13.447 | 100 % |
| Schwaigern | Landkreis Heilbronn | 11.784 | 71 % |
| Oberderdingen | Landkreis Karlsruhe | 11.753 | 80 % |
| Leingarten | Landkreis Heilbronn | 11.595 | 83 % |
| Rauenberg | Rhein-Neckar-Kreis | 8.701 | 82 % |
| Knittlingen | Enzkreis | 8.138 | 62 % |
| Bad Wimpfen | Landkreis Heilbronn | 7.725 | 78 % |
| Waibstadt | Rhein-Neckar-Kreis | 5.849 | 100 % |
| Neckarbischofsheim | Rhein-Neckar-Kreis | 4.205 | 100 % |
Alle 61 Städte und Gemeinden nach Landkreis
Die meisten Einwohner stellt der Landkreis Karlsruhe mit 196.654 in 14 Gemeinden, die meisten Gemeinden der Rhein-Neckar-Kreis mit 21. Viele Orte sind klein: 25 der 61 Gemeinden haben weniger als 5.000 Einwohner, die kleinste ist Siegelsbach mit 1.663.
Im Enzkreis liegen mehrere Gemeinden rund um Pforzheim ganz oder fast ganz im Naturraum, ohne ausdrücklichen Kraichgau-Bezug. Die drei Gemeinden aus dem Neckar-Odenwald-Kreis liegen am Nordrand, wo das Hügelland in Odenwald und Bauland übergeht; zwei von ihnen sehen sich selbst eher am Odenwald.
Die Einwohnerzahlen stammen vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg, Stand 31.12.2025. Gezählt ist jeweils die ganze Gemeinde, auch wenn ein Teil ihrer Fläche außerhalb des Naturraums liegt. Suchst du einen bestimmten Ort, findest du ihn in der Tabelle unter seinem Landkreis.
| Gemeinde | Landkreis | Stadt | Einwohner |
|---|---|---|---|
| Bad Schönborn | Landkreis Karlsruhe | nein | 13.529 |
| Bretten | Landkreis Karlsruhe | ja | 30.312 |
| Bruchsal | Landkreis Karlsruhe | ja | 47.578 |
| Gondelsheim | Landkreis Karlsruhe | nein | 4.139 |
| Kraichtal | Landkreis Karlsruhe | ja | 14.546 |
| Kürnbach | Landkreis Karlsruhe | nein | 2.463 |
| Oberderdingen | Landkreis Karlsruhe | ja | 11.753 |
| Östringen | Landkreis Karlsruhe | ja | 13.447 |
| Pfinztal | Landkreis Karlsruhe | nein | 18.291 |
| Sulzfeld | Landkreis Karlsruhe | nein | 5.112 |
| Ubstadt-Weiher | Landkreis Karlsruhe | nein | 13.077 |
| Walzbachtal | Landkreis Karlsruhe | nein | 9.940 |
| Weingarten (Baden) | Landkreis Karlsruhe | nein | 10.582 |
| Zaisenhausen | Landkreis Karlsruhe | nein | 1.885 |
| Angelbachtal | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 5.241 |
| Dielheim | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 9.058 |
| Epfenbach | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 2.451 |
| Eschelbronn | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 2.761 |
| Helmstadt-Bargen | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 3.914 |
| Lobbach | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 2.338 |
| Malsch (bei Wiesloch) | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 3.451 |
| Mauer | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 4.081 |
| Meckesheim | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 5.356 |
| Mühlhausen | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 8.727 |
| Neckarbischofsheim | Rhein-Neckar-Kreis | ja | 4.205 |
| Neidenstein | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 1.759 |
| Nußloch | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 11.392 |
| Rauenberg | Rhein-Neckar-Kreis | ja | 8.701 |
| Reichartshausen | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 2.158 |
| Sinsheim | Rhein-Neckar-Kreis | ja | 37.105 |
| Spechbach | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 1.761 |
| Waibstadt | Rhein-Neckar-Kreis | ja | 5.849 |
| Wiesenbach | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 3.201 |
| Wiesloch | Rhein-Neckar-Kreis | ja | 27.911 |
| Zuzenhausen | Rhein-Neckar-Kreis | nein | 2.407 |
| Bad Rappenau | Landkreis Heilbronn | ja | 22.728 |
| Bad Wimpfen | Landkreis Heilbronn | ja | 7.725 |
| Eppingen | Landkreis Heilbronn | ja | 22.796 |
| Gemmingen | Landkreis Heilbronn | nein | 5.582 |
| Ittlingen | Landkreis Heilbronn | nein | 2.613 |
| Kirchardt | Landkreis Heilbronn | nein | 5.944 |
| Leingarten | Landkreis Heilbronn | ja | 11.595 |
| Massenbachhausen | Landkreis Heilbronn | nein | 3.725 |
| Schwaigern | Landkreis Heilbronn | ja | 11.784 |
| Siegelsbach | Landkreis Heilbronn | nein | 1.663 |
| Birkenfeld | Enzkreis | nein | 10.134 |
| Eisingen | Enzkreis | nein | 4.677 |
| Ispringen | Enzkreis | nein | 5.891 |
| Kämpfelbach | Enzkreis | nein | 6.252 |
| Keltern | Enzkreis | nein | 8.687 |
| Kieselbronn | Enzkreis | nein | 2.904 |
| Knittlingen | Enzkreis | ja | 8.138 |
| Königsbach-Stein | Enzkreis | nein | 10.133 |
| Neulingen | Enzkreis | nein | 6.555 |
| Ölbronn-Dürrn | Enzkreis | nein | 3.530 |
| Ötisheim | Enzkreis | nein | 4.681 |
| Remchingen | Enzkreis | nein | 11.757 |
| Sternenfels | Enzkreis | nein | 2.797 |
| Aglasterhausen | Neckar-Odenwald-Kreis | nein | 4.840 |
| Hüffenhardt | Neckar-Odenwald-Kreis | nein | 2.062 |
| Obrigheim | Neckar-Odenwald-Kreis | nein | 5.377 |
Grenzfälle: knapp drin, knapp draußen
An den Rändern entscheiden oft wenige Prozent Fläche oder die Frage, wie eine Gemeinde sich selbst sieht. Sternenfels liegt naturräumlich ganz im Stromberg, gehört aber zum LEADER-Gebiet Kraichgau, und dort entspringt der Kraichbach, dem die Landschaft ihren Namen verdankt. Nußloch liegt nur zu 28 Prozent im Naturraum, der Rest verteilt sich zu etwa gleichen Teilen auf Rheinebene, Bergstraße und Odenwald; die Gemeinde zählt über ihren ausdrücklichen Kraichgau-Bezug. Untereisesheim bei Heilbronn liegt mit 49 Prozent knapp unter der Schwelle und erfüllt keine andere Bedingung.
Umgekehrt stehen einige Gemeinden allein wegen ihres Flächenanteils auf der Liste, obwohl sie sich eher am Schwarzwald oder am Odenwald verorten. Bei Werten zwischen 49 und 54 Prozent ist die Zuordnung wegen der vereinfachten Kartengrundlage nicht sicher.
| Gemeinde | Anteil im Naturraum | Auf der Liste | Grund |
|---|---|---|---|
| Sternenfels | 0 % | ja | LEADER-Gebiet Kraichgau; Quelle des Kraichbachs |
| Nußloch | 28 % | ja | ausdrücklicher Kraichgau-Bezug |
| Bad Schönborn | 41 % | ja | Mitglied im Tourismusverband; überwiegend Rheinebene |
| Ötisheim | 43 % | ja | Mitglied im Tourismusverband; der Flächenanteil schwankt je nach Kartengrundlage |
| Weingarten (Baden) | 51 % | ja | knapp über der Schwelle, Rest Rheinebene |
| Lobbach | 52 % | ja | knapp über der Schwelle, Rest Odenwald |
| Birkenfeld | 63 % | ja | über den Flächenanteil, sieht sich selbst am Schwarzwaldrand |
| Obrigheim | 58 % | ja | über den Flächenanteil, sieht sich selbst am Odenwald |
| Untereisesheim | 49 % | nein | knapp unter der Schwelle, keine weitere Bedingung |
| Karlsbad | 40 % | nein | überwiegend Schwarzwald |
| Bammental | 35 % | nein | überwiegend Odenwald |
| Neckargemünd | 11 % | nein | überwiegend Odenwald; hier mündet die Elsenz in den Neckar |
Was nicht dazugehört und warum
Die Stadtkreise Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe und Pforzheim zählen wir nicht dazu, obwohl Teile von Heilbronn, Karlsruhe und Pforzheim naturräumlich im Kraichgau liegen. Sie sind eigenständige Großstädte am Rand der Landschaft und für diese Seite Bezugspunkte für Anreise und Umgebung.
Der Stromberg ist eine eigene Landschaft. Zusammen mit dem Heuchelberg bildet er die Ostgrenze des Kraichgaus; Maulbronn mit seinem Kloster liegt zu 96 Prozent im Stromberg. Dass beide Namen oft zusammen genannt werden, liegt am gemeinsamen Tourismusverband. Warum sie trotzdem getrennte Landschaften sind, erklärt die Antwort Gehört der Stromberg zum Kraichgau?
Jenseits von Stromberg und Heuchelberg liegen das Zabergäu um Brackenheim und das Neckarbecken mit Orten wie Besigheim und Bietigheim-Bissingen. Diese drei Städte sind Mitglied im Tourismusverband Kraichgau-Stromberg, liegen aber außerhalb des Naturraums. Im Norden und Süden bleiben Gemeinden draußen, deren Fläche überwiegend zum Odenwald oder zum Schwarzwald gehört; Beispiele stehen in der Tabelle der Grenzfälle.
