Die Alte Universität in Eppingen von der Straßenecke aus gesehen: steinernes Erdgeschoss mit Spitzbogenfenstern, darüber vier Stockwerke Fachwerk unter einem steilen Dach.
Kultur

Alte Universität Eppingen

Eppingen

Bildnachweis

Werner Schüle, CC0 1.0

Über dieses Ziel

Ein Fachwerkhaus von 1495, in dem 1564/65 Teile der Heidelberger Universität vor der Pest Zuflucht fanden. Heute zeigt es bei freiem Eintritt, wie Fachwerk entsteht und wie Eppingen wuchs.

Was dich in der Alten Universität erwartet

Das Haus an der Ecke von Fleischgasse und Altstadtstraße ist 12 Meter breit, 16,5 Meter lang und 22,5 Meter hoch und zählt damit zu den größten historischen Bauten der Eppinger Altstadt. Das Erdgeschoss ist aus Sandstein gemauert und hat gotische Spitzbogenfenster. Darüber stehen zwei Vollgeschosse und zwei Giebelgeschosse in alemannischem Fachwerk unter einem Krüppelwalmdach, zur Fleischgasse und zur Altstadtstraße kragen sie leicht vor. Die gotische Jahreszahl im Spitzbogenfenster rechts neben der Eingangstür wurde lange unterschiedlich gelesen; das Bauholz wurde nach dendrochronologischer Untersuchung 1494/95 geschlagen.

Gebaut wurde das Haus wie ein spätmittelalterliches Kaufhaus. In der Halle im Erdgeschoss verkauften die Metzger an neun Bänken ihr Fleisch, im ersten Obergeschoss lag ein Saal für öffentliche Anlässe und Hochzeiten. In den Speichergeschossen darüber lagerte Getreide, in den beiden Kellern Wein, denn Pacht und Zehnt gingen damals als Naturalien an die Stadt. Das Doppelwappen neben der Tür zeigt die Kurpfalz und die Herren von Gemmingen, denen Eppingen von 1469 bis etwa 1520 als Pfand gehörte.

Seinen Namen verdankt das Haus einem Winter. Im Herbst 1564 brach in Heidelberg erneut die Pest aus, und die Universität wich in das rund 40 Kilometer entfernte Eppingen aus. Die Stadt war ihr eng verbunden, zwischen 1450 und 1544 kamen vier Rektoren von hier. Teile des Lehrbetriebs, darunter Studenten der Artistenfakultät mit dem Grundstudium vor Theologie, Recht und Medizin, bezogen das erste und vielleicht auch das zweite Obergeschoss. Als die Seuche im Frühjahr 1565 auch Eppingen erreichte, kehrten die Studenten nach Heidelberg zurück. Eine Steintafel an der Fassade erinnert an diese Monate.

Danach wechselte das Haus mehrfach die Rolle. 1749 kaufte der Schulmeister Johann Georg Rieger das Fleischhaus und baute es zum Wohnhaus um, die Jahreszahl steht über dem Eingang. Vermutlich hielt auch die jüdische Gemeinde hier Gottesdienste, bevor sie 1772 ihre Synagoge baute; daher stammt der alte Name Judenschule. Später teilten sich bis zu 16 Eigentümer das Haus, um 1880 gehörte auch eine Zigarrenfabrik dazu. In den 1920er Jahren wurde es verputzt, erst 1956 bis 1958 kam das Fachwerk wieder zum Vorschein. An der Eingangstür lohnt ein Blick nach oben links: Dort sitzt ein geschnitzter Neidkopf, eine kahle Fratze mit herausgestreckter Zunge. Solche Köpfe sollten ursprünglich Unheil abwehren. Die Tür selbst stammt aus einem anderen Haus der Altstadtstraße.

Das Stadt- und Fachwerkmuseum nutzt heute das ganze Haus mit über 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Angefangen hat es 1955 mit einer Heimatstube im Erdgeschoss, als in den Obergeschossen noch Wohnungen lagen. Die Stadt kaufte bis 1973 alle Anteile, dehnte das Museum auf alle Stockwerke aus und ließ das Haus von 1984 bis 1987 umfassend sanieren. Die Abteilungen folgen den Etagen:

  • Erdgeschoss: In der früheren Fleischhalle, einer dreischiffigen Halle auf mächtigen Eichenpfeilern, laufen die Wechselausstellungen zu Gegenwartskunst und Regionalgeschichte.
  • 1. Obergeschoss: Vor- und Frühgeschichte und die Entwicklung der Stadt.
  • 2. Obergeschoss: Vom frühen Holzbau zum Fachwerk, erklärt mit Modellrekonstruktionen, Zimmermannswerkzeug und den Fachwerkmodellen aus der Sammlung von Wolfgang Peter. Dazu kommen die Eppinger Linien, eine Verteidigungslinie, die 1695 unter dem Türkenlouis entstand.
  • 3. Obergeschoss: Wohnen und Arbeiten vor der Industrialisierung.
  • 4. Obergeschoss: Flucht und Vertreibung sowie Eppinger Handwerk.
  • Nebengebäude: die Museumswerkstatt, in der Schulklassen selbst mit Ton arbeiten.

Besuch planen

Das Museum öffnet dienstags bis sonntags von 14 bis 16 Uhr, montags ist Ruhetag. An Feiertagen ist geöffnet, auch wenn sie auf einen Montag fallen. Der Eintritt ist frei, auch für die Wechselausstellungen (Stand 25.09.2026). Weil das Haus nur zwei Stunden am Tag offen hat, solltest du spätestens gegen 15 Uhr da sein. Für die fünf Ebenen und die aktuelle Ausstellung ist eine knappe Stunde realistisch, so lange dauert auch eine Führung. Der Eingang liegt einige Stufen über der Gasse. Wenn du einen Aufzug oder stufenlosen Zugang brauchst, frag vorher bei der Museumsleitung unter 07262 920-1151 nach.

Führungen gibt es für Gruppen nach Vereinbarung über die Stadtinformation Eppingen am Marktplatz (07262 920-1500). Eine Museumsführung dauert rund eine Stunde, nimmt bis zu 30 Personen mit und kostet pauschal 60 € (Stand 25.09.2026). Für Schulklassen der Stufen 3 bis 7 gibt es eine Skulpturen-Tour durch die Stadt mit anschließender Tonwerkstatt im Museum. Kinder finden in der Fachwerkabteilung eigene Angebote: Rätsel, ein Spielhaus zum Bauen und eine Reise in eine mittelalterliche Stadt.

Im Erdgeschoss wechseln die Ausstellungen mehrmals im Jahr. Vom 5. November 2026 bis 31. Januar 2027 ist dort „Nowhere Feels Like Home“ von Estela Barilaitė zu sehen. Jeden Sommer hängen in der Altstadtstraße vor dem Haus Künstlerfahnen, 2026 zum 30. Mal, begleitet von einer Ausstellung im Museum. Das aktuelle Programm steht auf der Museumsseite von Eppingen Tourismus und im Jahresprogramm der Eppinger Museen.

Lage und Anreise

Die Alte Universität steht mitten in der Altstadt, knapp 200 Meter vom Marktplatz entfernt. Der Eingang liegt an der Fleischgasse kurz vor der Ecke zur Altstadtstraße, erkennbar an der doppelten Treppe und dem Wappenstein.

Mit der Bahn kommst du ohne Umstieg an. Am Bahnhof Eppingen halten die Stadtbahn S 4 und der RE 45 zwischen Karlsruhe und Heilbronn sowie die S 7 aus Heidelberg über Sinsheim. Ab Heilbronn Hauptbahnhof dauert die Fahrt mit dem RE 45 gut 20 Minuten, ab Karlsruhe Hauptbahnhof rund 45 Minuten, ab Sinsheim Hauptbahnhof mit der S 7 knapp 20 Minuten und ab Heidelberg knapp eine Stunde (Stand Fahrplan 25.09.2026). Vom Bahnhof sind es gut 300 Meter zu Fuß. Der Weg hinauf in die Altstadt ist als Fachwerkpfad angelegt: An neun Stationen stehen gut zwei Meter hohe Nachbildungen von Bauteilen wie dem Wilden Mann, dem Eckständer oder dem Alemannischen Weible, jeweils mit Hinweis auf die Fassade, an der das Original sitzt. Über die Steingasse erreichst du die Altstadtstraße wenige Schritte östlich des Museums.

Mit dem Auto verlässt du die A6 an der Ausfahrt Sinsheim-Steinsfurt (34) und fährst rund zwölf Kilometer nach Süden. Aus Bretten und Heilbronn kommst du über die B 293, die nördlich um die Kernstadt führt. In den Gassen der Altstadt gelten Bewohnerparkzonen. Für einen Museumsbesuch bietet sich das Parkhaus in der Wilhelmstraße an, das rund um die Uhr offen ist: Werktags von 7 bis 19 Uhr kostet die erste Stunde 50 Cent, die zweite ist frei, der ganze Tag 4 €; sonn- und feiertags parkst du kostenlos (Stand 25.09.2026). Von dort sind es knapp 300 Meter zu Fuß. Näher liegt der Kleinbrückentorplatz rund 250 Meter südlich, dort parkst du höchstens zwei Stunden für 50 Cent pro Stunde und kannst auch mit der Parkster-App zahlen. Weitere, teils gebührenfreie Plätze rund um die Altstadt zeigt der Parkplan der Stadt.

Kombinieren

Die Alte Universität ist ein guter Ausgangspunkt für einen Gang durch die Altstadt, die seit 1983 als Gesamtanlage unter Denkmalschutz steht und rund 120 freigelegte Fachwerkhäuser zählt. Gut 100 Meter nordöstlich steht in der Kirchgasse das Baumannsche Haus von 1582/83 mit beschnitzten Eichenbalken in fränkischer Bauweise, ein guter Vergleich zum alemannischen Fachwerk der Alten Universität. Der Karlsruher Denkmalpfleger Emil Lacroix zählte beide Häuser zusammen mit dem Palmschen Haus in Mosbach zu den herausragenden Fachwerkbauten Nordbadens. An der Drei-Stil-Ecke von Zunfthausgasse und Kettengasse treffen alemannisches, fränkisches und barockes Fachwerk aufeinander. Die Frankeburg in der Steingasse 4, ein Fachwerkhaus von 1457, öffnet von Mai bis Oktober am ersten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt (Stand 25.09.2026).

Rund 120 Meter westlich ragt der Pfeifferturm auf, ein Wehrturm aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und Wahrzeichen der Stadt. Er diente von 1829 bis 1859 als Amtsgefängnis, 1935 zog dort das erste Heimatmuseum Eppingens ein. Hinein kommst du nur mit einer gebuchten Führung. Am Pfeifferturm beginnen von Mai bis Oktober sonntags und am ersten Samstag im Monat um 14 Uhr die öffentlichen Stadtführungen der Heimatfreunde Eppingen, rund 90 Minuten für 2,50 € (Stand 25.09.2026). Da sie in die Öffnungszeit des Museums fallen, bleibt danach kaum Zeit für die Alte Universität.

Ein paar Minuten östlich, zwischen Altstadt und Bahnhof, liegt der Weiherpark, im Sommer Bühne des Eppinger Festivalsommers. Knapp drei Kilometer südöstlich erhebt sich der Ottilienberg, zu Fuß sind es rund dreieinhalb Kilometer. Die Kapelle dort stifteten 1473 Hans der Reiche von Gemmingen und seine Schwester Metz, denen Eppingen damals verpfändet war; ihr Familienwappen ist auch neben dem Museumseingang zu sehen. Zum Museum gehören außerdem Außenstellen in den Stadtteilen, etwa das Steinhauermuseum in Mühlbach, das von Mai bis Oktober sonntags von 14 bis 16 Uhr öffnet (Stand 25.09.2026). Mehr über die Stadt und ihre Stadtteile steht auf der Seite zu Eppingen.

Stand: 6. Oktober 2026

Häufige Fragen

Wann hat das Museum Alte Universität in Eppingen geöffnet?

Dienstags bis sonntags von 14 bis 16 Uhr, montags ist Ruhetag. An Feiertagen öffnet das Museum auch dann, wenn sie auf einen Montag fallen (Stand 25.09.2026). Weil nur zwei Stunden am Tag geöffnet ist, kommst du am besten bis etwa 15 Uhr. Gruppen können über die Stadtinformation Eppingen (07262 920-1500) eine Führung vereinbaren.

Kostet das Stadt- und Fachwerkmuseum Eintritt?

Nein, der Eintritt ist frei, auch für die Wechselausstellungen im Erdgeschoss (Stand 25.09.2026). Kosten entstehen nur für eine gebuchte Gruppenführung: Sie dauert rund eine Stunde, nimmt bis zu 30 Personen mit und kostet pauschal 60 €.

Warum heißt das Haus „Alte Universität“?

Weil die Universität Heidelberg hier während einer Pestepidemie Zuflucht fand. Ab Herbst 1564 bezogen Teile des Lehrbetriebs das erste und vielleicht auch das zweite Obergeschoss. Als die Pest im Frühjahr 1565 auch Eppingen erreichte, gingen die Studenten nach Heidelberg zurück. Gebaut wurde das Haus schon 1494/95 im Stil eines spätmittelalterlichen Kaufhauses, im Erdgeschoss verkauften die Metzger.

Wie kommt man ohne Auto zur Alten Universität?

Mit der Bahn bis Eppingen: Die S 4 und der RE 45 fahren ohne Umstieg aus Karlsruhe und Heilbronn, die S 7 aus Heidelberg und Sinsheim. Vom Bahnhof sind es gut 300 Meter zu Fuß, der Weg in die Altstadt ist als Fachwerkpfad mit neun Stationen angelegt und führt über die Steingasse bis kurz vor das Museum (Stand Fahrplan 25.09.2026).

Wo parkt man für einen Besuch der Alten Universität?

Im Parkhaus in der Wilhelmstraße, das rund um die Uhr geöffnet ist und knapp 300 Meter vom Museum entfernt liegt. Gebühren fallen dort und am Kleinbrückentorplatz nur werktags von 7 bis 19 Uhr an. Die erste Stunde kostet 50 Cent, die zweite ist frei, der Tag 4 €. Näher liegt der Kleinbrückentorplatz rund 250 Meter südlich, dort darfst du höchstens zwei Stunden für 50 Cent pro Stunde stehen (Stand 25.09.2026).

Ist das Museum für Kinder geeignet?

Ja, die Fachwerkabteilung hat eigene Angebote für Kinder und Jugendliche: Rätsel, ein Spielhaus zum Bauen und eine Reise in eine mittelalterliche Stadt. Schulklassen der Stufen 3 bis 7 können eine Skulpturen-Tour mit Tonwerkstatt buchen. Für Familien gibt es den Eppinger Kinderstadtführer mit der Krähe Kra, der im Museum und in der Stadtinformation verkauft wird.

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